Gangstörungen ernst nehmen

Nimmt die Gehgeschwindigkeit im Alter ab, bedeutet das nicht automatisch, dass der Betroffene krank ist. Es ist entscheidend zu untersuchen, ob sich daraus Probleme bei der Bewältigung des Alltags ergeben und ob die Gefahr zu stürzen erhöht ist.

Krankheiten, die mit einer typischen Gangstörung einhergehen, sind zum Beispiel:
  • Morbus Parkinson: Der Betroffene macht extrem kleine Schritte (Trippelschritte), sein Oberkörper ist nach vorne gebeugt, die Arme schwingen nicht mit.
  • Peroneusparese (Lähmung des Fußhebernervs): Sie führt zum „Steppergang“, der auch als Storchengang bezeichnet wird. Der Patient kann die Spitze des betroffenen Fußes nicht anheben und hebt  deshalb den ganzen Fuß bei jedem Schritt – wie ein Storch – nach oben, um ein Stolpern zu verhindern.
  • Spastische Lähmung nach einem Schlaganfall: Der Patient schwingt das gelähmte Bein beim Gehen halbkreisförmig nach außen, der gelähmte Arm ist angewinkelt an den Oberkörper gepresst (Wernicke-Mann-Gang).
  • Geschwächte Gesäßmuskulatur oder Hüftgelenkserkrankungen:Es zeigt sich ein watschelndes Gangbild (Trendelenburg-Gang), bei dem der Oberkörper seitlich schwingt.
Jede Veränderung an dem System, das am normalen Gang beteiligt ist, kann zu einer Gangstörung führen – von verminderter Sehkraft über verminderte Koordinationsfähigkeit bis hin zu Muskelschwäche. Je mehr Funktionen betroffen sind, desto eher wird sich eine Gangstörung entwickeln.

Gang durch kleine Veränderungen verbessern

Wenn die Gangstörung nicht sehr typisch oder ausgeprägt ist, wird sie häufig nicht richtig erkannt und fälschlicherweise als normale Alterserscheinung abgetan. Dabei lässt sich der Gang oft schon durch kleine Veränderungen (zum Beispiel eine passende Brille) verbessern. Außerdem können Menschen in jedem Alter ihre Ausdauer, Kraft und Koordination trainieren und verbessern. Wer diese Möglichkeiten nutzt, kann Stürze häufig vermeiden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.11.2014
  • Autor/in: Dr. med. Anja Vogt, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: T. Nikolaus: Klinische Geriatrie, Springer-Verlag 2000