Wahrnehmung und Denken

Störung zwischen Reiz und Reaktion

Keine sinnvollen Entscheidungen mehr treffen können, Gefahrensituationen und Risiken verkennen oder Schmerzen nicht mehr als solche wahrnehmen: Probleme mit Wahrnehmung und Denken sind in der Regel nicht Teil eines normalen Alterungsprozesses. Sie treten nur bei bestimmten Krankheiten auf und können sehr unterschiedliche Formen annehmen.

Frau sitzt auf Balkon © Thinkstock

Krankheiten: Ursachen für Wahrnehmungs- und Denkstörungen

Wahrnehmungsstörungen, häufig an Armen und Beinen, können bei einer sogenannten Polyneuropathie auftreten. Bei dieser Erkrankung sind mehrere Nerven geschädigt, die Signale vom Körper an das Gehirn leiten. Besonders häufig tritt dies bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) in Form einer diabetischen Polyneuropathie auf. Sie führt dazu, dass die Betroffenen bestimmte Bereiche ihres Körpers – meist die Füße – nicht mehr so gut spüren können. Verletzungen, Schmerzen und Infektionen werden teilweise nicht mehr wahrgenommen.

Eine ganz andere Art von Nervenschädigung, die mit Wahrnehmungs- und Denkstörungen einhergeht, tritt bei Demenzerkrankungen auf. Beispiele: Die Betroffenen sind nicht mehr in der Lage, Hunger oder Durst, Harn- oder Stuhldrang richtig wahrzunehmen oder zu äußern. Sie verkennen Gefahrensituationen und laufen einfach auf die Straße. Sie leiden unter Wahnvorstellungen oder sogenannten Wahrnehmungsverkennungen, bei denen beispielsweise Schatten für gefährliche Tiere gehalten werden. Sie erkennen vertraute Personen oder sogar sich selbst im Spiegel nicht wieder

Weitere Ursachen für Probleme mit der Wahrnehmung und/oder dem Denken können sein:
  • Erkrankungen der Sinnesorgane (etwa Seh- oder Hörstörungen)
  • Depressionen
  • Psychosen (etwa Schizophrenie)
  • Drogenmissbrauch
  • hirnorganische Schädigungen

Umgebung anpassen, Erkrankung therapieren

Um auf Probleme beim Wahrnehmen und Denken richtig reagieren zu können, muss geklärt werden, welche Ursachen dahinter stecken. Nur dann kann eine geeignete Therapie eingeleitet werden.

In der Pflege spielen Wahrnehmungs- und Denkstörungen infolge von Demenzerkrankungen die größte Rolle. Auch hier kommt es darauf an, inwiefern Wahrnehmung oder Denken gestört sind. Nimmt der Betroffene beispielsweise Schatten und dunkle Ecken als Gefahren wahr, sollten Räume gut ausgeleuchtet und Schattenbildungen vermieden werden. Oft helfen auch Ruhe und ein verständnisvoller Umgang, Wahnvorstellungen zu lindern.

Wie Sie Ihre Wohnung bei einer Demenzerkrankung richtig gestalten, Ängste und Wahrnehmungsstörungen vermeiden können, sehen Sie in unserem Special Wohnraumanpassung bei Demenz
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.12.2014
  • Autor/in: Nina Prell, Medizinredakteurin, vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Schwarz, Günther (2012): Umgehen mit demenzkranken Menschen und herausforderndem Verhalten: http://www.eva-stuttgart.de/fileadmin/redaktion/pdf/angebote_fuer/Alzheimer_Beratung/Umgehen_mit_herausforderndem_Verhalten_-_ Demenz.pdf
  • GKV-Spitzenverband: Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches: http://www.mds-ev.de/media/pdf/BRi_Pflege_090608.pdf
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