Veränderter Tag-/Nachtrhythmus

Wenn die Nacht zum Tag wird

Im Alter ist der Schlaf oftmals gestört. Ursache sind Krankheiten, die die Senioren nachts aus dem Bett treiben – aus den unterschiedlichsten Gründen. Gravierende Auswirkungen ergeben sich manchmal bei dementiellen Erkrankungen: Der Tag-Nacht-Rhythmus kann sich sogar komplett umkehren. Die Betroffenen machen im wahrsten Sinne des Wortes die Nacht zum Tage – und bringen so auch ihre Angehörigen um den Schlaf.

Wecker © Thinkstock

Krankheiten und Medikamente: Ursachen von Schlafstörungen

Verschiedene Erkrankungen können für die Schlafstörungen verantwortlich sein – beispielsweise eine Prostataerkrankung, durch die Männer nachts mehrmals die Toilette aufsuchen müssen, Depressionen oder Demenz. Patienten mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) müssen nachts ebenfalls häufig zur Toilette, da in der Nacht die Flüssigkeit ausgeschwemmt wird, die sich tagsüber im Körper gesammelt hat. Aber auch eine Depression oder eine Demenz machenverursachen häufig Schlafstörungen. Bei Menschen mit einer demenziellen Erkrankung kann sich der Schlaf-Wach-Rhythmus sogar umkehren. Das heißt, sie sind vor allem nachts aktiv, wandern herum, wecken andere und fragen beispielsweisezum Beispiel nach Frühstück. Das macht die nächtliche Pflege von Menschen mit Demenz besonders aufwendig.

Weitere Ursachen von Schlafstörungen können auch die Einnahme bestimmter Medikamente, starke Emotionen oder akustische Reize sein (zum Beispiel durch einen schnarchendern Bettnachbarn oder Verkehrslärm) sein. Dieseann sind die Schlafstörungen sind dann jedoch meist vorübergehend oder durch geeignete Maßnahmen zu beseitigen.

Am Rande der Erschöpfung: Ursachen von Schlafstörungen

Ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus stellt eine besondere Herausforderung für den Pflegenden dar. Denn solche Situationen sind nicht nur körperlich, sondern auch psychisch sehr anstrengend. Vor allem pflegende Angehörige stoßen dabei häufig an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Nachts wird dem Pflegenden viel Einfühlungsvermögen, Sensibilität und vor allem Geduld abverlangt. Denn häufig fühlen sich die Senioren gerade in der Nacht einsam, wenn sie nicht schlafen können, und haben ein großes Redebedürfnis.

Oft wissen ältere Menschen auch nicht, dass ihr Körper weniger Schlaf braucht als in jüngeren Jahren – ab 70 Jahren etwa fünfeinhalb Stunden pro Nacht. Manchmal wird dieser geringere Schlafbedarf dann als Schlafstörung interpretiert. In solchen Fällen sollte der Pflegende den Betroffenen einfühlsam über die Veränderungen des Schlafs im Alter informieren und ihm Tipps geben, wie er sich nachts in Wachphasen beschäftigen kann – etwa mit Lesen oder Stricken, Musikhören oder Fernsehen.

Hilfe bei Schlafstörungen – Störfaktoren ausschalten

Der Griff zu Schlaftabletten sollte in jedem Fall die letzte Lösung sein, denn sie bekämpfen lediglich die Symptome und nicht die Ursache der Schlafstörungen. Besser ist es, mögliche Störfaktoren auszuschalten – zum Beispiel, indem man:
  • die äußeren Bedingungen ändert (bei lautem Straßenlärm die Fenster schließt oder zum Beispiel Lichtreize im Zimmer abdunkelt),
  • Beschwerden lindert (beispielsweise Atembeschwerden oder Juckreiz),
  • das Verhalten ändert (keinen Mittagsschlaf mehr macht, aktiv ist, auf späte, schwerverdauliche Mahlzeiten verzichtet, abendliche Rituale pflegt),
  • abends keine schlafstörenden Substanzen mehr zu sich nimmt, etwa Kaffee oder bestimmte Medikamente (Kaffee kann allerdings in manchen Fällen bei paradoxer Koffeinwirkung auch schlaffördernd wirken).
Ist der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört, ist es von Vorteil, wenn der Betroffene tagsüber beschäftigt und gefördert wird – am besten körperlich. Das kann verhindern, dass er während des Tages einschläft. Die Müdigkeitsphase wird Richtung Abend verschoben.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.12.2014
  • Autor/in: Nina Prell, Medizinredakteurin, vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Köther, Ilka (2011): THIEMEs Altenpflege; 3. Auflage
  • Seel, Mechthild (2005): Die Pflege des Menschen