Sich einer Situation anpassen

Unangemessenes Verhalten – oft trifft es die engsten Angehörigen

Sie ist der festen Überzeugung: Ihre Tochter bestiehlt sie – ihr Geld, ihren Schmuck, ihre Kleidung. Die ältere Frau erzählt es den Nachbarn, dem Arzt und jedem, den sie trifft. Ein Fall, der dramatisch klingt, aber häufiger vorkommt als man denken möchte. Die ältere Dame leidet an Demenz. Und: Sie hat Probleme mit dem situativen Anpassen. Situativ anpassen heißt: sich einer Situation angemessen verhalten und sich auf wechselnde Umstände einstellen können.

Beispiele für Probleme mit der situativen Anpassung

Angst vor dem eigenen Spiegelbild haben oder Menschen auf Familienfotos für fremde Personen halten: Das sind weitere Möglichkeiten, wie sich solche Probleme äußern können. Auch Wahnvorstellungen  können Symptome mangelnder situativer Anpassung sein. Manche Pflegebedürftige fühlen sich von Angehörigen oder anderen Personen verfolgt und bestohlen oder befürchten, vergiftet zu werden und wollen deshalb nichts mehr essen.

Daneben sind das Verstecken und Sammeln von Gegenständen, permanentes und scheinbar grundloses Schreien und Rufen, plötzliches Weinen oder das Verschmieren von Essen Schwierigkeiten, die in diesem Zusammenhang auftreten können. Oft haben Betroffene auch einen starken Drang, sich zu bewegen oder irgendetwas zu tun, weshalb sie sich zum Beispiel ständig an- und ausziehen, ihre Inkontinenzeinlagen zerrupfen oder „waschende“ Bewegungen machen.

Ursachen: Demenz, Schizophrenie, Depressionen

Die häufigste Ursache für Probleme mit der situativen Anpassung im Alter ist eine demenzielle Erkrankung. Aber auch bei schizophrenen und selten bei depressiven Menschen können derartige Probleme auftreten. Bei Pflegebedürftigen, die nicht unter einer dieser Erkrankungen leiden, ist diese Fähigkeit nicht beeinträchtigt.

Wie Pflegende reagieren können

Wichtig ist, dass sich Pflegende die Beschuldigungen eines Demenzpatienten (zum Beispiel, etwas gestohlen zu haben) nicht zu Herzen nehmen: Es sind keine bösartigen Verleumdungen. Der Betroffene versucht sich dadurch lediglich zu erklären, wo verschwundene Gegenstände – die er zuvor vermutlich verlegt oder versteckt hat – geblieben sind. Am besten ist es, beruhigend auf den Pflegebedürftigen einzureden und zu versuchen, den Gegenstand mit ihm gemeinsam wiederzufinden. Keinesfalls sollte man ihn der Lüge bezichtigen. Wenn er sich in eine Situation zu sehr hineinsteigert, sollte der Pflegende versuchen, ihn abzulenken und das Thema zu wechseln. Zudem ist es ratsam, sich beliebte Verstecke zu merken und sie regelmäßig zu kontrollieren – denn manchmal horten Betroffene auch Lebensmittel, die verderben können.

Dinge, die den Betroffenen irritieren, wie bestimmte Bilder, Muster auf dem Teppich oder ein Spiegel, sollten entfernt werden. Allgemein sollten Änderungen – etwa bei der Wohnungseinrichtung, bei gewohnten Handlungsabläufen oder im Tagesablauf – nur langsam und schrittweise eingeführt werden, damit sie den Pflegebedürftigen nicht zu sehr verunsichern. Noch besser ist es, die Gewohnheiten des Betroffenen so gut es geht beizubehalten.

>> Ausführliche Informationen und Tipps, wie Sie demenzkranken Menschen mehr Orientierung und Sicherheit in der eigenen Wohnung bieten können, finden Sie in unseren Videobeiträgen Wohnraumanpassung bei Demenz.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 01.12.2014
  • Autor/in: Nina Prell, Medizinredakteurin, vitanet.de;
  • Quellen: Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (2009): Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialbuches (http://www.mds-ev.org/media/pdf/BRi_Pflege_090608.pdf)
  • Spitzenverbände der Pflegekassen (2008): Richtlinien zur Feststellung von Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz und zur Bewertung des Hilfebedarfs (http://www.mds-ev.de/media/pdf/Richtlinie_PEA-Verfahren_Endfassung.pdf)
  • Bundesministerium für Gesundheit (2013): Wenn das Gedächtnis nachlässt. Ratgeber für die häusliche Betreuung demenziell erkrankter Menschen (https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/dateien/Publikationen/Pflege/Broschueren/WdGn_screen_Juni2013.pdf)
  • Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.: Umgang und Beschäftigung (http://www.deutsche-alzheimer.de/angehoerige/umgang-und-beschaeftigung.html)
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