Gedächtnis im Alter

Vom Erinnern und Vergessen

Den Schlüssel verlegt, der Name entfallen, die neue Telefonnummer nicht gemerkt: Im Alter klagen viele Menschen darüber, dass ihr Gedächtnis nachlässt. Ein gesundes Gehirn speichert eine Vielzahl an Informationen. Doch auch Vergessen gehört zum normalen Prozess – ebenso wie ein nachlassendes Gedächtnis bei Senioren zum normalen Alterungsprozess gehört. Wie sich dem entgegenwirken lässt und wann Vergesslichkeit zur Krankheit wird.

Mann macht Rätsel © Thinkstock

Was im Gehirn passiert

Durch ein Netz an Nervenzellen und Verschaltungen kann das menschliche Gehirn Informationen speichern und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abrufen. So funktioniert unser Gedächtnis. Wie wichtig es ist, merkt man beispielsweise, wenn es bei Menschen mit Demenz gestört ist.

Wie das Gedächtnis im Detail funktioniert, ist noch nicht ganz geklärt. Es gibt verschiedene Modelle. Häufig wird nach der zeitlichen Dimension eingeteilt in Ultrakurzzeit-, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis.

Vergessen ist wichtig – aber in Maßen

Die Reize, die auf uns Menschen einströmen, werden nur für den Bruchteil einer Sekunde im Ultrakurzzeitgedächtnis gespeichert. Nur ein sehr kleiner Teil davon gelangt in das Kurzzeitgedächtnis und wiederum nur ein Teil wird durch Wiederholen ins Langzeitgedächtnis übernommen. Ohne diese Filterfunktion wäre unser Gehirn schnell überfordert – bei jungen Menschen genauso wie bei älteren.

Dass jedoch manche Menschen mehr vergessen, als nötig, kann verschiedene Gründe haben. Beispielsweise machen Stress und Depressionen vergesslich. Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass die Ernährung einen Einfluss auf das Gedächtnis hat.

Vergessen im Alter – oft normal, manchmal krankhaft

Häufig ist es jedoch nicht die Gedächtnisleistung selbst, die sich verschlechtert. Die Leistungsfähigkeit bei den sogenannten kristallinen, das heißt wissensgebundenen Aufgaben, bleibt bei gesunden älteren Menschen in der Regel erhalten. Vielmehr sind es das Tempo der Informationsverarbeitung und die Wahrnehmungsgeschwindigkeit, die nachlassen. Man spricht hier von den sogenannten flüssigen Funktionen. Diese lassen sich jedoch recht gut trainieren.

Außerdem können sich auch verschlechterte sensorische Fähigkeiten beispielsweise durch körperliche Einschränkungen im Alter negativ auf die Gedächtnisleistung auswirken. Wer weniger Informationen wahrnimmt, kann auch weniger Informationen verarbeiten und ins Langzeitgedächtnis aufnehmen.

Gedächtnisstörungen durch Krankheiten – häufig steckt Demenz dahinter

Solche Beeinträchtigungen, bewegen sich im normalen Rahmen und gehören zum normalen Alterungsprozess. Allerdings können auch Krankheiten das Gedächtnis beeinträchtigen. Dazu gehören beispielsweise verschiedene Formen der Amnesie. Speziell im Alter sind es häufig Demenzerkrankungen, die das Gedächtnis stören. Am häufigsten tritt Morbus Alzheimer auf.

Gedächtnistraining – Fitness fürs Gehirn

Gedächtnistraining kann vor allem die flüssigen Funktionen, also die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung, positiv beeinflussen. Geistig fitte, ältere Menschen können ihr Gedächtnis beispielsweise mit Sudoku- oder Kreuzworträtseln trainieren. Darüber hinaus gibt es inzwischen eine Vielzahl weiterer Methoden für das Gedächtnistraining.

Auch bei einer Demenzerkrankung kann Gedächtnistraining sinnvoll sein. Der geistige Abbau kann damit zumindest teilweise etwas verzögert werden. Wichtig ist, dass das Training für Demenzkranke geeignet ist, keinen Leistungsdruck verursacht und Spaß macht. Beispielsweise kann die Pflegeperson zusammen mit dem Pflegebedürftigen, Wörter zu bestimmten Themen sammeln. Der Demenzkranke wird gefragt, welche Nussarten oder welche Schokoladensorten ihm einfallen. Solche Aufgaben können spielerisch in den Alltag eingebunden werden.

Mehr Informationen zu Gedächtnistraining für Menschen mit Demenz und Alzheimer finden Sie hier.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.07.2014
  • Autor/in: Christina Landauer, Medizinredakteurin, vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Schüssel, Käte (2005): Therapeutisches Gedächtnistraining bei kognitiver Beeinträchtigung. Konzeption und Evaluation des Gedächtnis-Zentrums Erlangen: http://www.opus.ub.uni-erlangen.de/opus/volltexte/2005/148/pdf/Dissertation%20Kaete%20Schuessel%202005-04-14.pdf
  • Paulsen, Sönke: Gedächtnis aus neurowissenschaftlicher Sicht: http://www.gedaechtnismanagement.de/Images/Ged%E4chtnis%20aus%20neurowissenschaftlicher%20Sicht%20Alter.pdf