Viele Krankheiten können die Sexualität beeinflussen

Zahlreiche Krankheiten können das sexuelle Erleben (nicht nur) älterer Menschen beeinträchtigen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebserkrankungen und Prostataerkrankungen gehen häufig mit Funktionseinschränkungen einher, die das Sexualleben einschränken können.

Hände eines Paars im Bett © Thinkstock
Aber auch Arthrose, Osteoporose und chronische Polyarthritis verursachen Bewegungsbehinderungen oder Schmerzen, die die sexuelle Aktivität mindern. Kognitive Veränderungen wie bei Demenz beeinträchtigen die Partnerbeziehung und Sexualität in besonders starkem Maß.

Ein grundsätzlicher Verzicht ist in vielen Fällen jedoch nicht nötig. Informieren Sie sich gründlich über die zugrundeliegende Krankheit und holen Sie sich Tipps, wie Sie die Sexualität trotz Krankheit genießen können. Denn eine befriedigende Sexualität wirkt sich nicht zuletzt wiederum positiv auf die Gesundheit aus.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind vorsichtiger mit dem Leben ihrer sexuellen Bedürfnisse als Gesunde. Viele fürchten, beim Sex könnte ihnen etwas passieren. Dabei ist diese Sorge meist unbegründet: Wer in der Lage ist, Treppen zu steigen, kann davon ausgehen, dass auch sexuelle Aktivität für ihn nicht besonders gefährlich ist. Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden allerdings häufig unter sexuellen Funktionsstörungen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen schädigen Gefäße, die für das Funktionieren der Geschlechtsorgane notwendig sind. So ist beispielsweise die Erektionsfähigkeit bei etwa der Hälfte der Männer mit Bluthochdruck beeinträchtigt; nach einem Herzinfarkt ist das sogar bei bis zu 3/4 aller Betroffenen der Fall. Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten als die häufigsten Ursachen für Erektionsstörungen. Bei Frauen gibt es ebenfalls Beeinträchtigungen, beispielsweise Ängste durch Angina pectoris aufgrund von Verengungen der Herzkranzgefäße.

Diabetes

Diabetes mellitus mit seinen Folgeerkrankungen führt oft aufgrund von Nerven- und Durchblutungsstörungen zu Störungen der Sexualität. Insbesondere bei einer jahrelang bestehenden Zuckerkrankheit treten Schäden an Nerven und Gefäßen auf, die das Funktionieren der Geschlechtsorgane nachhaltig stören. Dadurch kommt es zu Erektionsstörungen und einem verminderten Feuchtwerden der Scheide, so dass die Sexualität allein durch diese körperlichen Veränderungen bereits beeinträchtigt wird. Manchmal bestehen auch Veränderungen im Hormonhaushalt, die sich auf das sexuelle Verlangen auswirken können. Hinzu kommen psychische Belastungen durch diese chronische Krankheit, die einen Verzicht auf etliche Annehmlichkeiten des Lebens und ggf. ein „Leben nach der Uhr“ (bei insulinpflichtigen Diabetikern) erfordert.

Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom)

Wenn eine Frau an Gebärmutterkrebs erkrankt, ist meistens eine Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) notwendig. Dieser Eingriff kann für die Betroffene bedeuten, dass sie sich nicht mehr als vollständige Frau empfindet. Rein medizinisch gesehen gibt es aber keinen Grund, dass die Frau aufgrund der Operation ihr sexuelles Interesse oder Verhalten ändert.

Brustkrebs (Mammakarzinom)

Operationen zur Behandlung von Brustkrebs gehen mit körperlichen Veränderungen einher. Dies kann das Körpergefühl der Betroffenen beeinträchtigen und sich auf ihr sexuelles Erleben auswirken. Eine offene Kommunikation zwischen den Partnern hilft, das Sexualleben trotz der Erkrankung genießen zu können.

Prostataerkrankungen

Erkrankungen der Prostata (Vorsteherdrüse des Mannes) sind ebenfalls ein häufiger Grund für sexuelle Funktionsstörungen. Bei einer Entzündung (Prostatitis) stehen starke Schmerzen und Fieber im Vordergrund; die Krankheit kann aber auch chronisch verlaufen und mit dumpfem Schmerz einhergehen. Durch den Schmerz nimmt die Lust auf Sexualität und häufig auch die Erektionsfähigkeit ab.
Eine der häufigsten Erkrankungen bei Männern im höheren Lebensalter ist die gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie = BPH). Wenn die Größenzunahme einen kritischen Wert überschreitet, wird eine Operation durchgeführt, wobei es verschiedene Techniken zur Entfernung des überschüssigen Gewebes gibt. Nach einer Operation kommt es häufig zu einer Ejakulationsstörung, manchmal auch zu Erektionsstörungen.
Bei einer bösartigen Veränderung, dem Prostatakarzinom, muss die Prostata vollständig entfernt werden. Die sexuelle Lust ist nach solch einer Operation häufig stark beeinträchtigt und kehrt erst nach längerer Zeit und Genesung zurück. Ein sehr häufiges Problem ist die Impotenz nach kompletter Entfernung der Prostata: Häufig werden bei einer solchen Operation auch die feinen Nerven und Blutgefäße in der Nähe der Prostata geschädigt, die für eine Erektion notwendig sind. Moderne Operationsmethoden können die Nerven weitgehend schonen, wenn der Tumor in einem relativ frühen Stadium entdeckt wird.

Harninkontinenz (Blasenschwäche)

Frauen und Männer mit Harninkontinenz verzichten oft ganz auf Geschlechtsverkehr, um einen ungewollten Urinabgang zu vermeiden. Das ist jedoch nicht nötig. Selbst bei schweren Formen der Blasenschwäche und einem Blasenkatheter können Betroffene ganz normal Sex haben. Sie müssen nur einige Dinge beachten.

Darmerkrankungen

Bei manchen Darmerkrankungen, vor allem Darmkrebs und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, kann die Anlage eines Stomas (künstlicher Darmausgang, Anus praeter) notwendig werden. Spezielle Beutel werden an dem Stoma angebracht, um Stuhl und Gase aufzunehmen. Viele Betroffene fühlen sich dadurch am Austausch von Intimitäten gehindert. Sie fühlen sich durch den Beutel und eine mögliche Geruchsbelästigung beeinträchtigt und fürchten auch eine Ablehnung durch den Partner.

Zufriedenstellende Sexualität ist auch mit einem Stoma möglich: Der Beutel sollte vorher entleert und ein Reiben am Stoma vermieden werden. Es ist auch möglich, den Beutel mit Stoff zu bedecken, Verschlusskappen, Minibeutel oder Gürtel zu benutzen. Wichtig ist das offene Gespräch mit dem Partner, denn die psychische Belastung ist größer als die körperliche. Geschulte Stomatherapeuten können oftmals gute Tipps geben.

Knochen- und Gelenkerkrankungen

Bei starken Schmerzen kann es nach Absprache mit dem Arzt sinnvoll sein, rund eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr ein Schmerzmedikament einzunehmen. Vielleicht wird ein warmes Bad oder eine Massage durch den Partner als angenehm empfunden. Auch empfiehlt es sich, bei Knochen- und Gelenkerkrankungen geeignete Stellungen zu finden, die die schmerzenden Körperbereiche entlasten.

Depressionen: Medikamente und die Krankheit an sich hemmen die Sexualität

Bei Depressionen sind es nicht nur Medikamente, die sich oft negativ auf das Sexualleben auswirken: Schon die Krankheit als solche kann jeglichen sexuellen Antrieb ersticken. Im Laufe einer erfolgreichen Behandlung nimmt das sexuelle Interesse wieder zu. Manche Antidepressiva können die Potenz mindern. Gegebenenfalls kann in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt eine Änderung der Medikation hilfreich sein.

Demenz und Morbus Alzheimer

Menschen mit Demenz brauchen Zuneigung, feste Beziehungen und auch Berührungen. Denn die Fähigkeit zu sinnlicher Kommunikation bleibt sehr viel länger erhalten als die sprachliche Kompetenz. Doch häufig führt die Krankheit zu verändertem Sexualverhalten. Der Partner des Demenzkranken muss lernen, mit der Situation umzugehen.

Weitere Erkrankungen

Bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) beeinträchtigt häufig Atemnot den Geschlechtsverkehr. Eine gute medikamentöse Einstellung ist für die Betroffenen entscheidend. Auch ein spezielles Übungsprogramm, das die körperliche Belastbarkeit fördert, kann eventuell helfen. Die Parkinson-Krankheit kann die körperliche Beweglichkeit stark einschränken. Zudem beeinflusst die medikamentöse Therapie dieser Erkrankung die Sexualität: Die häufig eingesetzten Wirkstoffe Levodopa und Carbidopa können eine Libidosteigerung und Hypersexualität bewirken. Es ist wichtig für Angehörige und ggf. Pflegekräfte, dies als Nebenwirkung der Medikamente deuten zu können.

Manche Medikamente beeinflussen die Potenz

Es gibt eine ganze Reihe von Medikamenten, die Einfluss auf die Potenz haben können. Zum Beispiel kann die notwendige Gabe von weiblichen Hormonen bei einem Prostatakarzinom Lustmangel und Impotenz auslösen. Wenn Sie vermuten, dass Sie wegen eines Medikaments Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr haben, sollten Sie Ihren Arzt unbedingt darauf ansprechen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 31.03.2015
  • Autor/in: Dr. med. Karen Strehlow, Ärztin und Fachzeitschriftenredakteurin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, vitanet;
  • Quellen: I. Füsgen: Sexualstörungen aus I. Füsgen: Der ältere Patient, Urban
  • K. von Sydow: Die Lust auf Liebe bei älteren Menschen, Verlag Ernst Reinhardt 1994
  • ISG - Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e.V.: http://www.isg-info.de/ (abgerufen am 21.1.2015)
  • Klinik für Viszeral- und Thoraxchirurgie am Asklepios Klinikum Langen: http://www.dkmic.de/patienten/forum/kuenstlicher-darmausgang-anus-praeter/(abgerufen am 28.1.2015)
  • Rote Liste-Arzneimittelinformationen für Deutschland. www.rote-liste.de (abgerufen am 11.02.15)
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