Frauen verändern sich mit dem Alter – ihre Sexualität auch

Im höheren Alter bekommt Zärtlichkeit einen größeren Stellenwert als Sexualität; die Bedürfnisse sind meist andere als in jungen Jahren. Bei Frauen wie bei Männern verändern sich im Laufe der Jahre auch die Geschlechtsorgane und Orgasmusphasen: Der Geschlechtsakt erfordert im Alter meistens mehr Zeit und intensivere Stimulation.

Die sexuelle Lust und ein befriedigendes Sexualleben haben in erster Linie mit der Zufriedenheit in der Partnerschaft und der Qualität des Sexuallebens in früheren Jahren zu tun. Die erlebte Befriedigung hängt von der Qualität der sexuellen Begegnung ab, nicht so sehr von messbaren Daten.

Untersuchungen, die sich mit einem „Wie-oft“ oder „Wie-lange“ von sexueller Aktivität befassen, zeigen, dass im sehr hohen Alter durchschnittlich doppelt so viele Männer wie Frauen regelmäßig Geschlechtsverkehr haben.  

Bei Frauen ist die Phase des Höhepunkts im Alter meistens kürzer als in früheren Lebensjahren, die sexuelle Erregung ist etwas schwächer und bildet sich schneller zurück. Die Fähigkeit der Frau, mehrere Orgasmen hintereinander zu erleben, bleibt jedoch unverändert.

Körperliche Veränderungen

Bei sexueller Erregung treten die Brustwarzen hervor und der Kitzler (die Klitoris) vergrößert sich. Diese Reaktionen bestehen bei älteren Frauen ebenso wie in jungen Jahren. Hingegen wird mit zunehmendem Alter die Scheide bei Erregung häufig nicht mehr so feucht und es dauert oft länger, bis Flüssigkeit von der Scheide und den Drüsen am Scheideneingang abgesondert wird. Die Befeuchtung der Scheide ist aber notwendig, damit die Partner beim Geschlechtsverkehr keine Schmerzen haben. Im Wissen um diese körperlichen Veränderungen ist es recht leicht, bei trockenen Schleimhäuten Abhilfe zu schaffen: Der Handel hält eine breite Palette an Gleitmitteln als Gel oder Creme bereit, die einer unangenehmen Reizung der Schleimhaut entgegenwirken.

Weniger Schutz gegen Krankheitserreger

Mit zunehmendem Alter verändert sich auch die Scheidenflora. Das vom Körper produzierte saure Milieu in der Scheide ist weniger ausgeprägt, wodurch die natürliche Schutzfunktion gegen Krankheitserreger abnimmt. Zwar sind bei Frauen nach den Wechseljahren (Menopause) Pilzinfektionen seltener, dafür steigt die Anfälligkeit für bakterielle Infektionen, die auch auf die Harnröhre und Harnblase übergreifen können. Zudem wird mit dem Alter die Scheidenwand dünner und empfindlicher.

Die Veränderungen des weiblichen Körpers sind vor allem auf das Abfallen des Östrogenspiegels nach den Wechseljahren zurückzuführen. Durch östrogenhaltige Salben oder Zäpfchen (verschreibungspflichtig) können die Beschwerden gelindert werden: Die Durchblutung der Scheide wird gefördert, die Zellneubildung angeregt und ein saures Scheidenmilieu erhalten. Juckreiz, Entzündungen und das Auftreten von Harnwegsinfekten werden so vermindert.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 31.03.2015
  • Autor/in: Dr. med. Karen Strehlow, Ärztin und Fachzeitschriftenredakteurin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, vitanet;
  • Quellen: I. Füsgen: Sexualstörungen aus I. Füsgen: Der ältere Patient, Urban
  • SPRINGER, W. 2005. Sexualität im Alter. In: LIKAR, R., BERNATZKY, G., JANIG, H., PIPAM, W. & SADJAK, A. (eds.) Lebensqualität im Alter. Therapie und Prophylaxe von Altersleiden. Vienna: Springer-Verlag/Wien. S.225-230.
  • Wie wandelt sich Sexualität im Alter? Das Sexualleben älterer Frauen – ein tabuisiertes Thema http://www.fu-berlin.de/presse/publikationen/fundiert/archiv/2004_01/04_01_schultz-zehden/index.html (28.08.14)
  • Erich Grond: Sexualität im Alter. Brigitte Kunz Verlag, 2., aktualisierte Auflage, Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2011