Sex kurz nach einem Herzinfarkt?

Es ist nicht generell notwendig, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen die sexuelle Aktivität einzuschränken: Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffverbrauch steigen ähnlich wie beim Treppensteigen an. Trotzdem sollten Sie unmittelbar nach einem Herzinfarkt beim Geschlechtsverkehr vorsichtig sein.

Wann Sie es ruhiger angehen lassen sollten

Nach einem Herzinfarkt sollten Sie Ihren behandelnden Arzt auf das Thema Sexualität ansprechen. Er kann Ihnen sagen, ob und wie lange Sie vorsichtiger als gewöhnlich beim Geschlechtsverkehr sein sollten.
Meist ist es nach einem unkomplizierten Herzinfarkt schon nach eineinhalb bis zwei Wochen möglich, sich wieder sexuell zu betätigen. Achten Sie jedoch darauf, nichts zu überstürzen. Als Faustregel gilt: Wenn Sie ohne Beschwerden wieder zwei Treppen steigen können, ist auch sexuelle Aktivität wieder möglich. Achten Sie darauf, dass Sie eine entspannte Situation wählen und nicht direkt vorher eine große Mahlzeit eingenommen haben.

Vermeiden Sie es, sich selbst oder Ihrem Partner „beweisen“ zu wollen, dass Sie wieder genauso fit wie vorher sind. Dies könnte einen starken emotionalen und psychischen Druck erzeugen und eventuell vorhandene Ängste verstärken.

Denn oftmals ist der psychologische Aspekt nach einem Herzinfarkt größer als der körperliche: Der Patient selbst ist sehr verunsichert, manchmal auch depressiv, und der Partner zu besorgt. Bei vielen Herzinfarktpatienten besteht auch die Befürchtung, sie könnten beim Sex sterben und ihrem Partner psychischen Schaden zufügen.

In der Tat ist das Risiko, beim Liebesakt zu sterben, extrem gering. Das gilt auch für Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben.

Wenn Sie während der sexuellen Aktivität – und dies gilt auch für andere körperliche Aktivitäten – Beschwerden haben sollten wie: Druck in der Brust, am Hals, Kiefer oder Oberbauch, Unwohlsein, Luftnot, sehr schneller oder unregelmäßiger Puls, sagen Sie es Ihrem Partner und ruhen Sie sich aus. Sie können ein Nitro-Präparat einnehmen, sofern Sie zuvor kein erektionsförderndes Medikament (z.B. mit den Wirkstoffen Sildenafil, Vardenafil) genommen haben. Falls die Beschwerden nach einer Viertelstunde nicht wieder abgeklungen sind, müssen Sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Potenzstörungen nach Herzinfarkten

Die Psyche spielt in der Sexualität nach einem Herzinfarkt eine große Rolle: Viele haben Angst, dass sich ein solches Ereignis wiederholen könnte. So kann allein diese Angst zu Potenzstörungen führen. Darüber hinaus können auch die eingesetzten Medikamente, wie beispielsweise Betablocker oder Antidepressiva, Potenzstörungen hervorrufen. Allerdings kann auch die Erkrankung Arteriosklerose, die dem Herzinfarkt oft zugrunde liegt, durch Blutgefäßveränderungen Erektionsprobleme hervorrufen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 31.03.2015
  • Autor/in: Dr. med. Karen Strehlow, Ärztin und Fachzeitschriftenredakteurin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, vitanet;
  • Quellen: I. Füsgen: Sexualstörungen aus I. Füsgen: Der ältere Patient, Urban
  • K. von Sydow: Die Lust auf Liebe bei älteren Menschen, Verlag Ernst Reinhardt 1994
  • Leitlinie bei Sexualität und Herzkrankheit. http://www.herzklinik-ulm.de/resources/Herzklinik-Qualitaet/Behandlungs-Leitlinien/ZL17_1.pdf (abgerufen 3.12.2014)
  • Sexualität und Herzkrankheit http://www.theheart.de/download/sex_und_herzkrankheit.pdf (abgerufen 3.12.2014)