Intime Kontakte – auch im Heim möglich

Ungefähr vier Prozent aller Senioren leben in einem Heim. Dabei fällt das hohe Eintrittsalter auf: Es liegt im Durchschnitt bei über 85 Jahre. Intimer und sexueller Kontakt ist ein sehr menschliches Bedürfnis, das auch Menschen im hohen Alter in der Regel nicht verlieren.

Trotzdem streben Mitarbeiter in Altenheimen, insbesondere in Pflegeheimen, eher eine Arbeitsatmosphäre mit geplanten Abläufen an. Rückzugsräume, in denen Senioren Sexualität ausleben können, gibt es daher in vielen Fällen eher selten.

Mögliche Probleme im Heim

Der einzelne Bewohner hat es unter Umständen nicht leicht, seine Intimsphäre zu wahren. Oft gibt es im Heim nur begrenzte Rückzugsmöglichkeiten. Senioren können sich im Heim leichter auf Sexualität einlassen, wenn sie beispielsweise ein abschließbares Einzelzimmer besitzen und nicht ständig befürchten müssen, dass das Personal intime Momente stört.  

Darüber hinaus hängt es auch vom Personal eines Heims ab, inwieweit es auf die Bedürfnisse seiner Bewohner eingeht. So muss der Umzug in ein Heim nicht gleichbedeutend mit einem hohen Maß an Persönlichkeits- und Intimitätsverlust sein.  

Das Achten der Persönlichkeit von Heimbewohnern hängt unter anderem davon ab, nach welchem Modell in einem Heim gepflegt wird. In einem Pflegemodell lautet zum Beispiel der zehnte Punkt „Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten“.  

Das Thema Sexualität im Alter wird heutzutage in der Ausbildung zum Altenpfleger im Themenbereich Alterssoziologie behandelt. Vor gut zehn Jahren war dies noch nicht der Fall.

Einzelzimmer und Eheappartements

Eine Voraussetzung für Intimsphäre im Heim ist die Art der Zimmer: Sind viele Einzelzimmer vorhanden, so ist es für Bewohner leichter, sich eine Intimsphäre aufzubauen, als bei Doppelzimmern. Manche Heime bieten Eheappartements an, die abschließbar sind. Lässt das Pflegepersonal es zu, dass Paare, die sich im Heim neu gefunden haben, gemeinsam ein Doppelzimmer bewohnen, können sie auch ungehinderter intim werden. Müssen sich Bewohner jedoch in ihren Zimmern gegenseitig besuchen, wird es schwieriger – vor allem, wenn beide in Doppelzimmern wohnen.

Zärtlichkeit und Intimität unter Heimbewohnern

Zwar liegen kaum systematische Untersuchungen über Geschlechtsverkehr älterer Menschen im Heim vor. Einen intimen Austausch zwischen Heimbewohnern gibt es aber durchaus. Doch nicht immer ist dieser gleich stark von beiden Seiten gewünscht und nur selten scheinen ältere Menschen im Heim wirklich Geschlechtsverkehr zu haben.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.12.2012
  • Autor/in: Dr. med. Karen Strehlow, Ärztin und Fachzeitschriftenredakteurin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, vitanet;
  • Quellen: I. Füsgen: Sexualstörungen aus I. Füsgen: Der ältere Patient, Urban
  • K. von Sydow: Die Lust auf Liebe bei älteren Menschen, Verlag Ernst Reinhardt 1994