Frauen sind im Alter sexuell weniger aktiv als Männer

In der Regel nimmt die Häufigkeit sexueller Kontakte im Alter ab. Zudem verschiebt sich oftmals das Bedürfnis nach Geschlechtsverkehr hin zu einem Bedürfnis nach anderen zärtlichen sexuellen Kontakten. Die Grundbedürfnisse wie Nähe und Geborgenheit werden vor allem in Paarbeziehungen befriedigt.

Menschen, die Sexualität während ihres gesamten Lebens als wichtig empfinden, tun dies in der Regel auch weiterhin im Alter und versuchen, ihrer Sexualität Ausdruck zu geben. Allerdings haben vor allem Frauen im Alter häufig keinen Partner mehr, mit dem sie Intimitäten austauschen können.

Wenige Studien über Sexualität im Alter durchgeführt

Es gibt wenige Studien zur Sexualität im Alter. Hinzu kommt, dass die Ergebnisse der Studien voneinander abweichen und mehr Senioren befragt werden als Seniorinnen.  

Dabei spielt Sexualität für ältere Menschen, sei es nun Mann oder Frau, immer noch eine große Rolle. Eine Studie aus dem Jahr 2007 untersuchte die sexuelle Aktivität von 3.005 amerikanischen Erwachsenen zwischen 57 und 85 Jahren (1.550 Frauen und 1.455 Männer). Das Ergebnis: Bei den 57 bis 64-Jährigen sind 73 Prozent sexuell aktiv, bei den 65 bis 74-Jährigen etwa 53 Prozent und bei den zwischen 75 und 85-Jährigen noch 26 Prozent.1

Ältere Frauen haben weniger Sex als Männer ihrer Altersklasse

Laut derselben Studie1 haben in der Altersstufe von 75 bis 85 Jahren nur noch etwa halb so viele Frauen wie Männer Sex. Andere Umfragen unter Frauen im deutschsprachigen Raum ergaben, dass bis zu 32 Prozent der älteren Jahrgänge wenig Zärtlichkeit erleben, bis zu 41 Prozent geben an, keinen ausreichenden sexuellen Kontakt zu haben.

Frauen haben es im Alter schwerer, einen Partner zu finden: 75 Prozent der über 65-jährigen Männer sind verheiratet, oft mit jüngeren Frauen, während knapp 75 Prozent der gleichaltrigen Frauen nicht mehr verheiratet sind. Dabei wünschen sich viele ältere, alleinstehende Frauen rein kameradschaftliche Kontakte zu Männern, andere auch erotisch-sexuelle Beziehungen – jedoch ohne ein Zusammenleben.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.12.2012
  • Autor/in: Dr. med. Karen Strehlow, Ärztin und Fachzeitschriftenredakteurin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, vitanet;
  • Quellen: I. Füsgen: Sexualstörungen aus I. Füsgen: Der ältere Patient, Urban
  • K. von Sydow: Die Lust auf Liebe bei älteren Menschen, Verlag Ernst Reinhardt 1994
  • 1 A Study of Sexuality and Health among Older Adults in the United States Stacy Tessler Lindau, M.D., M.A.P.P., L. Philip Schumm, M.A., Edward O. Laumann, Ph.D., Wendy Levinson, M.D., Colm A. O'Muircheartaigh, Ph.D., and Linda J. Waite, Ph.D. N Engl J Med 2007; 357:762-774August 23, 2007