Verantwortungsvolle Medikamenteneinnahme im Alter

Nur wer um die Risiken einer schlecht abgestimmten Medikation weiß, wird seinen Umgang mit Medikamenten überdenken. Ohne die Mitwirkung des Patienten kann der Arzt die medikamentöse Therapie trotz noch so großer Umsicht nicht sicher gestalten.

Verantwortungsvolle Medikamenteneinnahme © Thinkstock
Wichtig ist es, dem behandelnden Arzt alle Medikamente und Arzneimittel zu nennen – auch die, die nicht rezeptpflichtig sind. Außerdem sollte er über alle Veränderungen und Beschwerden in Kenntnis gesetzt werden, die der Patient bemerkt. Falls Nebenwirkungen auftreten, müssen diese mitgeteilt werden. Der behandelnde Arzt wird die Einnahmevorschriften anpassen oder gegebenenfalls abändern. Bei Fragen zu einem Medikament oder zur Medikamenteneinnahme sollte der Patient auf jeden Fall nachfragen und um eine für ihn verständliche Erklärung bitten.

Medikamenteneinnahme: Mitarbeit des Patienten ist gefragt

Entscheidend für den Therapieerfolg ist die Mitarbeit des Patienten: Auch eine gut angepasste Arzneimitteltherapie bleibt ohne Erfolg, wenn die Medikamente unregelmäßig oder gar nicht eingenommen werden. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt ist daher genauso wichtig wie die Umsicht und das Wissen des Arztes.

Zu warnen ist besonders vor der sorglosen Mitbenutzung von Medikamenten anderer Familienmitglieder. Auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente ohne vorherige Absprache mit dem behandelnden Arzt einzunehmen, kann zu bedrohlichen Neben- und Wechselwirkungen führen – zum Beispiel wird durch die Einnahme von bestimmten Schmerzmitteln oftmals die Wirkung von Blutdruckmedikamenten abgeschwächt, so dass gefährliche Blutdruckanstiege auftreten können.

Missbrauch von Medikamenten und Arzneimittelsucht

Nicht nur die unregelmäßige, sondern auch die übermäßige Einnahme von Medikamenten kann im Alter ein Thema sein. Besonders häufig finden sich Abführmittel auf dem Medikamentenplan älterer Menschen. Denn mangelnde Bewegung, die Einnahme vieler verschiedener Medikamente und nicht ausreichendes Trinken können zu Schwierigkeiten beim Stuhlgang führen.
Viele ältere Menschen leiden unter anderem an Schlafstörungen, Verdauungsproblemen, Ängsten oder Verspannungen. Häufig sind die Ursachen psychische Probleme. Etliche der dagegen verschriebenen Medikamente können abhängig machen. Dazu gehören:

Hilfe durch Angehörige

Angehörige kennen den Patienten und seine Lebensumstände oft besser als der Arzt und können dem Arzt zusätzliche Informationen geben. Sie können auch auf Probleme oder Geschehnisse aufmerksam machen, über die der Patient selbst nicht mit seinem Arzt sprechen möchte oder die er selbst für nicht so wichtig erachtet. 

Angehörige können mit darauf achten, ob Probleme im Zusammenhang mit Medikamenten auftreten und oft auch helfen, sie zu lösen: Sie können zum Beispiel bei Verständnisschwierigkeiten oder Sehschwäche Texte aus dem Beipackzettel vorlesen und erklären oder bei der Entnahme von kleinen Tabletten aus der Packung behilflich sein. Sie können die Tabletten für den nächsten Tag oder die Woche bereitstellen und das Verfallsdatum der Medikamente prüfen.  

Auf keinen Fall sollten sie eigenmächtig die Medikamente und die Einnahmevorschriften des Arztes verändern. Bei freiverkäuflichen Medikamenten sollten Angehörige Beipackzettel und Anwendungsbeschreibung aufmerksam lesen und den Patienten auffordern, sich daran zu halten. Wenn Fragen aufkommen, die nicht direkt geklärt werden können, sollten diese gemeinsam mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.10.2014
  • Autor/in: Dr. med. Beate-Maria Effertz, Ärztin, Charité, Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet;
  • Quellen: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Band 38, Supp.1. September 2005, S. 45-48
  • Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Themenschwerpunkt: Arzneimittelbehandlung im Alter. Band 38 Heft 3, Juni 2005
  • Renteln-Kruse: Medizin des Alterns und des alten Menschen, Steinkopff Verlag 2004
  • Interaktionen:Nicht steroidale Antirheumatika und Antihypertensiva. http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?id=3796 (31.7.2014)