Veränderter Stoffwechsel

Im Alter wirken Medikamente oft ganz anders

Viele Körperfunktionen verändern sich im Alter – auch der Stoffwechsel. Er wird träger: Darmbewegung und Magensäureproduktion nehmen ab, der Transport der Nährstoffe in das Blut geschieht langsamer und auch die Ausscheidung von Abfallprodukten in Leber und Niere benötigt mehr Zeit.

Veraenderte Wirkung von Medikamenten © Thinkstock
Zusätzlich verändert sich der Körper: Der Fettanteil ist im Alter erhöht, Protein- und Wassergehalt nehmen dagegen ab. All diese Faktoren beeinflussen die Aufnahme und die Verteilung eines Medikaments im Körper.

Daher haben einige Medikamente bei älteren Menschen eine stärkere Wirkung als bei jüngeren, andere eine schwächere. So können unter Umständen im Beipackzettel empfohlene Mengen schon zu Überdosierungen und Arzneimittelnebenwirkungen führen. Andere Medikamente erfordern dagegen bei älteren Patienten gegebenenfalls eine höhere Dosierung als in der Packungsbeilage angegeben. Daher sollte stets eine Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Verminderte Nieren-, Leber- und Herzfunktion können zu Über- oder Unterdosierungen führen

Die Nieren- und Leberfunktion wird mit zunehmendem Alter meist schlechter, auch ohne dass eine spezifische Erkrankung vorliegt. Häufig führt zusätzlich eine Herzschwäche dazu, dass die Organe nicht mehr so gut durchblutet werden. Verstärkt wird dies noch, wenn ein Patient über viele Jahre hinweg an Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder anderen gefäßschädigenden Krankheiten leidet. Die verzögerte Ausscheidung und der verlangsamte Stoffwechsel führen dazu, dass die Wirkung vieler Medikamente im Alter verzögert, verlängert, verstärkt oder vermindert sein kann. Im Extremfall kann es auch zu einer Vergiftung kommen.

Deshalb ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt bei der Verschreibung eines Medikaments die Funktion von Leber, Nieren und Herz seines Patienten kennt, um die Dosis bestimmter Medikamente anpassen zu können.

Tabletten gelangen langsamer in die Blutbahn und wirken verzögert

Die Magensäureproduktion, der Transport der Nahrung im Darm sowie die Aufnahme durch die Darmschleimhaut in die Blutbahn werden mit zunehmendem Alter langsamer. Manche Medikamente brauchen daher länger, um in die Blutbahn zu gelangen und die Wirkung tritt erst verlangsamt ein.

Dieses Problem kann der Arzt lösen, indem er etwa die Dosis anpasst oder eine andere Anwendungsform des Medikaments wählt und beispielsweise Tropfen, Zäpfchen oder Injektionen anstelle von Tabletten verschreibt. So gelangt der Wirkstoff schneller ins Blut, ohne von der Magen-Darm-Funktion abhängig zu sein: Bei Tropfen wird ein Teil des Wirkstoffs beispielsweise direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen, bei Injektionen gelangt er unmittelbar in die Blutbahn.

Medikamente individuell dosieren

Die Zusammensetzung des Körpers, vor allem der Fett- und Wassergehalt, spielen eine wesentliche Rolle für die Verteilung und die Wirksamkeit von Medikamenten. Mit zunehmendem Alter nehmen die Muskelmasse und der Wassergehalt des Körpers ab, der Fettanteil dagegen steigt. Das kann Auswirkungen auf die Blutspiegel von bestimmten Wirkstoffen haben. Je nachdem, ob es sich um wasserlösliche oder fettlösliche Substanzen handelt, muss die Dosierung entsprechend der Körperzusammensetzung und des Körpergewichts vom behandelnden Arzt individuell angepasst werden. Sonst kann es bei einer normalen Einnahmemenge zu Über- oder Unterdosierungen kommen.

Wenn Medikamente aufputschen statt beruhigen

Einige Medikamente, die an den Nervenzellen des Gehirns wirken, können insbesondere bei älteren Menschen eine ganz andere Wirkung auslösen als die erwünschte: Medikamente, die eigentlich beruhigen sollen, lassen den Patienten dann noch unruhiger oder sehr aufgeregt werden. Weshalb diese von Ärzten als paradox bezeichnete Reaktion auftritt, ist nicht vollständig geklärt. Umgekehrt kann ein Tässchen Kaffee manch älteren aufgeregten oder schlaflosen Patienten in einen süßen Schlummer versenken.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.10.2014
  • Autor/in: Dr. med. Beate-Maria Effertz, Ärztin, Charité, Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet;
  • Quellen: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Band 38, Supp.1. September 2005, S. 45-48
  • Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Themenschwerpunkt: Arzneimittelbehandlung im Alter. Band 38 Heft 3, Juni 2005
  • K. U. Mayer und P. B. Baltes: Berliner Altersstudie, Akademie Verlag 2002
  • Renteln-Kruse: Medizin des Alterns und des alten Menschen, Steinkopff Verlag 2004
  • http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=52195 (6.8.2014)