Einnahme von Medikamenten im Alter

Schon die tägliche Tabletteneinnahme entpuppt sich manchmal als problematisch. Hersteller und Ärzte denken oft nicht an die Schwierigkeiten, die den Alltag vieler älterer Menschen bestimmen und dazu führen, dass diese Tabletten falsch oder gar nicht einnehmen.

Probleme bei der Medikamenteneinnahme © Thinkstock

Verminderte Sehkraft

Manche Tabletten sind so klein, dass ältere Patienten mit verminderter Sehkraft sie ohne oder mit der falschen Brille nicht richtig sehen können. Auch die Beschriftung von Tablettenschachteln ist für viele ältere Menschen schlecht lesbar. Dies kann zu Verwechslungen von Medikamenten mit ähnlichen Verpackungen oder ähnlichen Namen führen. Zudem wird das Lesen kleingedruckter Texte für altersschwache Augen oft so anstrengend, dass Einnahmeempfehlungen, Dosierungen und Nebenwirkungen im Beipackzettel erst gar nicht angeschaut werden.

Hier hilft es oft schon, wenn der Arzt den Wirkstoff in einer adäquaten Form verschreibt oder der Apotheker Dosierungsanweisungen gut lesbar auf die Packung oder einen Medikamentenplan schreibt.

Nachlassende Feinmotorik

Hat ein älterer Patient Schwierigkeiten, kleine gezielte Bewegungen auszuführen, wie es zum Beispiel bei der Parkinsonschen Krankheit, nach einem Schlaganfall oder bei langjährigem Diabetes mellitus vorkommt, ist unter Umständen schon das Auspacken mancher Medikamente schwierig. Außerdem können bestimmte Medikamente wie etwa Neuroleptika die Feinmotorik verändern.

In diesen Fällen ist es ratsam, die zuständigen Pflegekräfte oder Angehörige zur Tabletteneinnahme hinzuzuziehen. Auch hier kann der Arzt durch die Wahl der Darreichungsform eines Medikaments die Einnahme für den Patienten vereinfachen.

Trockener Mund und zu große Tabletten

Andere Tabletten wiederum sind durch ihre Größe oder Form schlecht einzunehmen. Bedenkt man, dass ältere Menschen oft einen sehr trockeneren Mund haben, wird klar, dass es dadurch zu Schluckschwierigkeiten kommen kann. Einige Blutdruckmedikamente, aber auch Medikamente gegen Glaukom oder Blasenschwäche fördern diese Mundtrockenheit noch zusätzlich.

Hier sollte der verschreibende Arzt mit dem Patienten gemeinsam überlegen, ob eine andere Darreichungsform – zum Beispiel ein Saft oder Zäpfchen anstelle von Tabletten oder Kapseln – das Problem lösen könnte. Außerdem sollte der Patient ausreichend trinken, sofern nicht andere Gründe wie beispielsweise eine fortgeschrittene Herz- oder Niereninsuffizienz dagegensprechen. Manchem älteren Patienten hilft es auch, gleichzeitig zur Medikamenteneinnahme etwas zu essen. Aber Vorsicht, manche Medikamente dürfen nicht zu den Mahlzeiten eingenommen werden, wie beispielsweise bestimmte Medikamente bei der Parkinsonschen Krankheit.

Vergesslichkeit

Vergesslichkeit tritt häufig bei den Patienten auf, die schon lange wegen Bluthochdrucks oder Diabetes behandelt werden. Sie vergessen manchmal ihre Medikamente einzunehmen oder nehmen sie ein zweites Mal ein und laufen dadurch Gefahr, eine Überdosierung zu verursachen. Besonders gefährlich ist dies bei Blutdruckmedikamenten, Blutzucker senkenden und Blut verdünnenden Medikamenten. Hier kann es bei Überdosierungen zu lebensbedrohlichen Situationen kommen.

Patient, Arzt und Angehörige sollten dann geeignete Lösungen suchen: zum Beispiel die Medikamente an einem bestimmten Ort aufzubewahren, einen Medikamentenplan aufzustellen und die Tabletteneinnahme fest in den Tagesablauf einzuplanen. Reichen diese einfachen Methoden nicht aus, sollten Angehörige oder Pflegekräfte die Tabletteneinnahme kontrollieren.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.12.2012
  • Autor/in: Dr. med. Beate-Maria Effertz, Ärztin, Charité, Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet;
  • Quellen: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Band 38, Supp.1. September 2005, S. 45-48
  • Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Themenschwerpunkt: Arzneimittelbehandlung im Alter. Band 38 Heft 3, Juni 2005
  • K. U. Mayer und P. B. Baltes: Berliner Altersstudie, Akademie Verlag 2002
  • Renteln-Kruse: Medizin des Alterns und des alten Menschen, Steinkopff Verlag 2004