Auswirkungen des Alterns auf die Sinne

Ob Hören, Sehen, Riechen, Schmecken oder Fühlen: Die fünf Sinneswahrnehmungen verändern sich mit zunehmendem Alter.

Hören und Sehen

Die beiden Sinnesorgane Augen und Ohren zeigen deutliche Veränderungen: Mit zunehmendem Lebensalter nehmen nicht nur die Sehschärfe und die Lichtempfindlichkeit des Auges ab, häufig ist auch das Gesichtsfeld eingeengt und die Hell-Dunkel-Anpassung nimmt ab.

Die Abnahme des Hörvermögens scheint fast eine unvermeidbare Konsequenz des Alterns zu sein. Typisch ist, dass Menschen hohe Töne mit zunehmendem Alter immer schlechter hören können. Schwerhörigkeit kommt allerdings in der Regel erst bei Menschen über dem 65. Lebensjahr vor.

Die Veränderungen haben natürlich auch Auswirkungen auf den Alltag. Entstehende Einschränkungen können durch Hör- und Sehhilfen vermindert werden. Wichtig ist, dass diese von Spezialisten angepasst werden: Ein Hörgerät oder eine Brille können sich sonst im Alltag als nutzlos erweisen. Individuell abgestimmte Hilfen können Verständigungsstörungen vorbeugen und so ein aktives und selbstständiges Leben erhalten.

Riechen

Es wird geschätzt, dass etwa 75 Prozent der über 80-Jährigen eine relevante Riechstörung aufweisen. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Lokale Schädigungen durch Alterungsprozesse, Virusinfektionen, Verletzungen, Medikamenteneinwirkung, Schadstoffe (v.a. Zigarettenrauch) und sonstige Substanzen können das Riechepithel schädigen. Auch zahlreiche innere und neurologische Krankheiten können das Riechen negativ beeinflussen: beispielsweise Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Parkinsonsche Krankheit, Alzheimer-Demenz und manche Epilepsien. Riechstörungen sind im Alter häufiger als Schmeckstörungen, werden aber oft als solche nicht erkannt, da viele Eindrücke subjektiv dem Schmecken zugeordnet werden. Dies gilt besonders für Nahrungsmittel, die die Patienten „nicht (mehr) schmecken“, die an einer Riechstörung leiden.

Schmecken

Das Geschmacksempfinden ändert sich im Alter ebenfalls. Früher hatte man angenommen, dass die Zahl der Geschmacksknospen auf der Zunge abnehmen, heute geht man eher von einer eingeschränkten Funktion der Rezeptoren aus. Im Alter nehmen die Geschmacksqualitäten sauer, salzig, bitter und umami (herzhaft, eiweißhaltig) mehr an Intensität ab als süß. Dies mag dazu beitragen, dass viele Menschen im Alter süße Speisen bevorzugen. Ältere Menschen tun deshalb gut daran, sich nicht nur von ihrem Geschmack leiten zu lassen, sondern sich intensiver mit dem Thema Essen und Trinken zu beschäftigen, um eine ausreichende Versorgung mit allen Nährstoffen sicherzustellen.

Fühlen: Schmerz und Temperatur

War man früher davon ausgegangen, dass die Schmerzempfindung bei älteren im Vergleich zu jüngeren Menschen reduziert ist, so weiß man heute, dass dies nicht der Fall ist. Das Schmerzerleben ist individuell höchst unterschiedlich und kann durch etliche Einflussgrößen verstärkt oder abgeschwächt werden. Generell gilt: Nur der Patient selbst weiß, wie stark der Schmerz wirklich ist!

Manche Senioren wollen ihren Schmerz nicht zeigen oder können ihn schlecht beschreiben. Insbesondere bei Patienten mit Demenz oder anderen neurologischen oder psychiatrischen Krankheiten sind Sprache, Mimik und Gestik oft stark eingeschränkt. Dadurch kann der Eindruck entstehen, der Schmerz sei nicht so schlimm. Andererseits verstärkt seelisches Leid, eine Depression, Verzweiflung oder Angst schon bestehende Schmerzen ganz enorm.

Auf der rein körperlichen (somatischen) Ebene kann die Schmerzwahrnehmung krankheitsbedingt abgeschwächt sein. Dadurch werden Schmerzen nicht mehr so schnell oder deutlich registriert. Ein Beispiel hierfür ist die Polyneuropathie, bei der Schmerzen, vor allem im Bereich der Füße, nicht mehr entsprechend wahrgenommen werden können.

Ältere Menschen frieren eher als junge. Die Temperaturwahrnehmung kann im Alter aber auch abnehmen, sodass es in manchen Fällen unbemerkt zu einer Auskühlung kommt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.12.2014
  • Autor/in: Dr. med. Anja Vogt, Ärztin und Ralf Eberhard, Sozialarbeiter; Charité - Universitätsmedizin Berlin
  • Quellen: T. Nikolaus: Klinische Geriatrie, Springer-Verlag 2000
  • Klimek, Ludger; Moll, Bertram; Kobal, Gerd: Riech- und Schmeckvermögen im Alter. Dtsch. Ärzteblatt 2000; 97(14): A-911 / B-763 / C-712