Ausgeglichen oder leicht reizbar? – Emotionalität im Alter

Unter dem Begriff Emotionalität werden kurzfristige, aktuelle Gefühlszustände, aber auch längerfristige Stimmungen und Einstellungen zusammengefasst. Wie wirkt sich das Alter auf die Dauer, die Intensität, die Auslösbarkeit und die Häufigkeit bestimmter Emotionen aus?

Unklare Studienlage

Es gibt verschiedene Untersuchungen, die zeigen, dass ältere Menschen emotional mit einer geringeren Intensität reagieren als jüngere Personen. In anderen Studien wurde aber auch herausgefunden, dass negative Emotionen bei alten Menschen ebenso stark auftreten wie bei jüngeren und bestimmte Gefühlszustände bei älteren Personen länger andauern.  

Die Berliner Altersstudie (BASE) untersuchte viele Aspekte des Alterungsprozesses und kam zu dem wichtigen Ergebnis, dass insbesondere die Unterschiedlichkeiten des Alterns zu beachten sind. Menschen altern entsprechend ihrer jeweiligen Besonderheit und Individualität. Dies trifft auch auf die psychologischen Aspekte zu: Die Unterschiede zwischen Personen sind größer als die zwischen bestimmten Altersgruppen. Somit lässt sich die Frage, wie sich das Alter auf unsere Emotionen auswirkt, nicht allgemein beantworten.  

Durchschnittlich betrachtet ergeben sich jedoch gewisse Tendenzen: Mit dem Alter verstärken sich negative Persönlichkeitsaspekte – etwa geringere Offenheit, weniger positive Emotionen sowie Gefühle, zunehmend fremdbestimmt zu sein. Trotz relativ hoher Lebenszufriedenheit stoßen Menschen im hohen Alter häufig an die Grenzen ihrer psychischen Anpassungsleistung.

Wenn man von Traurigkeit und Depression im Zusammenhang mit dem Alter spricht, wird häufig angenommen, diese nähmen mit dem Alter zu. Bisherige Untersuchungen im deutschsprachigen Raum konnten diesen Zusammenhang allerdings nicht bestätigen.

Aktivität und Gesundheit spielen große Rolle

Inwiefern sich längerfristige Stimmungen wie Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden im Alter ändern, hängt sehr von der individuellen Situation ab. Man weiß, dass für positive Stimmungen wie Glück, Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden die Gesundheit und die soziale Aktivität im Allgemeinen eine wesentlich größere Rolle spielen als das Alter.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.01.2015
  • Autor/in: Dr. med. Anja Vogt, Ärztin und Ralf Eberhard, Sozialarbeiter; Charité - Universitätsmedizin Berlin
  • Quellen: T. Nikolaus: Klinische Geriatrie, Springer-Verlag 2000
  • Lindenberger, Ulman et al. (2010): Die Berliner Altersstudie