Der Schwerbehindertenausweis

Kleine Erleichterungen im Alltag

Schwerbehinderte Personen stehen täglich vor vielen Herausforderungen. Um ihnen das Leben so gut wie möglich zu erleichtern, bietet ein Schwerbehindertenausweis einige Vergünstigungen und Rechte. Voraussetzung für einen solchen Ausweis ist, dass der Grad der Behinderung (GdB) 50 oder mehr beträgt, dass der Betroffene in Deutschland gemeldet ist, dort arbeitet oder gewöhnlich dort wohnt.

Rollstuhl Schild © Thinkstock

Nutzen: Nachteile ausgleichen, Kosten minimieren

Schwerbehinderte Menschen haben das Recht auf sogenannte Nachteilsausgleiche. Das sind bestimmte Rechte und Leistungsansprüche, die Nachteile durch die Behinderung ausgleichen sollen – im beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich. Beispiele: Steuererleichterungen, ein besonderer Kündigungsschutz oder Mobilitätshilfen. Um solche Nachteilsausgleiche in Anspruch nehmen zu können, müssen sie in der Regel beantragt und dabei ein Schwerbehindertenausweis vorgelegt werden.

Der Antrag: ein Aufwand, der sich lohnt

Schwerbehindertenausweise werden beim zuständigen Versorgungs- beziehungsweise Landratsamt beantragt. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann zunächst einen formlosen Antrag stellen. Dazu reicht ein kurzer Brief. Das Amt sendet dem Antragsteller dann einen Antragsvordruck zu, den er wiederum ausgefüllt zurücksenden muss. Die zweite Möglichkeit: Man kann dem Amt direkt einen ausgefüllten Antrag zuschicken. Vordrucke sind in der Regel bei den Kreisen, den Sozialämtern der Gemeinden, Behindertenverbänden oder örtlichen Trägern erhältlich.

Wenn der Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis eingegangen ist, müssen die Behinderung und der Grad der Behinderung festgestellt werden. Deshalb macht es Sinn, frühere Gutachten, Berichte von Ärzten, Unterlagen von Krankenhäusern oder andere entsprechende Unterlagen bereits bei der Antragstellung mitzuschicken. Ansonsten wird das Amt Unterlagen bei Ärzten und anderen Stellen anfordern. Das kann jedoch einige Zeit dauern. In seltenen Fällen – wenn die eingereichten Unterlagen für eine Beurteilung nicht ausreichen – wird eine ärztliche Untersuchung durch einen Gutachter nötig.

Der Feststellungsbescheid – ausführliche Informationen

Ist die Begutachtung abgeschlossen, verschickt das Amt einen Feststellungsbescheid. Darin aufgeführt: persönliche Daten, die genaue Bezeichnung der Behinderung, der Grad der Behinderung und vieles mehr. Liegt der GdB bei mindestens 50, dient der Feststellungsbescheid zudem als Grundlage für den Schwerbehindertenausweis. Ist der Feststellungsbescheid positiv, also wird eine ausreichende Behinderung festgestellt, wird der Schwerbehindertenausweis gleichzeitig mit dem Feststellungsbescheid übersandt.

Wichtig: Der Feststellungsbescheid enthält sehr viele persönliche Informationen und ist in erster Linie eine Information für den Betroffenen selbst. Zur Vorlage – beispielsweise beim Arbeitgeber – sollte daher eher der Schwerbehindertenausweis, nicht der Feststellungsbescheid verwendet werden.

Vorteile durch den Schwerbehindertenausweises – die Farbe zählt

Den Schwerbehindertenausweis gibt es in zwei Ausführungen. Den grünen Ausweis erhalten alle behinderten Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50. Menschen mit „einer erheblichen Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr“ bekommen einen grün-orangen Ausweis, oft auch Freifahrtausweis genannt. Sie haben das Recht auf unentgeltliche Beförderung im Personenverkehr.

Doch Vorsicht: Ganz kostenlos ist die Beförderung auch dann nicht für alle. Betroffene sollten sich bei ihrem Versorgungsamt informieren. Auf dem Schwerbehindertenausweis sind der Grad der Behinderung sowie Beginn und Ende der Gültigkeit vermerkt (in der Regel sind die Ausweise fünf Jahre gültig). Außerdem sind auf dem Ausweis bestimmte Merkzeichen eingetragen:
  • G: erheblich gehbehindert
  • aG: außergewöhnlich gehbehindert
  • GI: gehörlos
  • H: hilflos
  • Bl: blind
  • RF: Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht
  • B: Mitnahme einer Begleitperson möglich
  • 1. Kl.: Mit dem Ausweis darf unter bestimmten Bedingungen die 1. Klasse der Deutschen Bahn mit einem Fahrschein für die 2. Klasse benutzt werden.
Für viele Nachteilsausgleiche reicht es nicht, einen Schwerbehindertenausweis vorzulegen. Oft müssen zusätzlich bestimmte Merkzeichen vorhanden sein. Einen Überblick, wann welche Nachteilsausgleiche gewährt werden, erhalten sie hier.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.07.2014
  • Autor/in: Christina Landauer, Medizinredakteurin, vitanet.de;
  • Quellen: Landschaftsverband Rheinland (LVR) 2012): Behinderung und Ausweis: http://www.lvr.de/app/publi/PDF/493-Behinderung-und-Ausweis-8_2012barrierearm.pdf
  • Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen: Nachteilsausgleiche: http://www.behindertenbeauftragter.de/DE/Themen/RechtlicheGrundlagen/BehinderungundAusweis/Nachteilsausgleiche/Nachteilsausgleiche_node.html