Hilfsmittel: Zuzahlung beträgt im Allgemeinen zehn Prozent

Für Hilfsmittel wie einen Rollstuhl oder ein Hörgerät fällt grundsätzlich eine Zuzahlung von zehn Prozent je Hilfsmittel an. Dieser Prozentsatz bezieht sich auf den Betrag, der von der Krankenkasse übernommen wird, und ist begrenzt auf mindestens fünf Euro und höchstens zehn Euro, in keinem Fall mehr als die Kosten des Mittels.

Eine Sonderregelung gibt es für die zum Verbrauch bestimmten Hilfsmittel. Hier müssen Betroffene Zuzahlungen von zehn Prozent je Verbrauchseinheit bezahlen, jedoch maximal zehn Euro für den Monatsbedarf. Wer unter 18 Jahre alt ist, wenn er das Hilfsmittel erhält, braucht keine Zuzahlung zu leisten.

Für einige Hilfsmittel gelten Festbeträge

Der GKV-Spitzenverband (die zentrale Interessenvertretung der gesetzlichen Krankenversicherung) hat für einige Hilfsmittel Festbeträge bestimmt. Das gilt zurzeit für folgende Produktgruppen:
  • Einlagen
  • Hörhilfen
  • Inkontinenzhilfen
  • Hilfsmittel zur Kompressionstherapie
  • Sehhilfen (Gläser, Kontaktlinsen)
  • Stomaartikel
Das bedeutet, dass die Krankenkassen die Kosten für diese Hilfsmittel grundsätzlich nur bis zu einem festgesetzten Betrag übernehmen. Wenn der Betroffene ein Hilfsmittel möchte, dessen Preis diesen Festbetrag übersteigt, muss er den Differenzbetrag selbst tragen. Für Pflegehilfsmittel gelten momentan keine Festbeträge.

Bei schwerer Sehbeeinträchtigung zahlt Krankenkasse die Sehhilfe

Für Sehhilfen wie Brillen übernehmen die Krankenkassen nur in gesetzlich bestimmten Fällen die Kosten: Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahrs sowie schwer sehbeeinträchtigte Versicherte haben Anspruch auf eine Versorgung mit Brillen oder Kontaktlinsen.

Eine „schwere Sehbeeinträchtigung“ im Sinne der gesetzlichen Vorschrift liegt vor, wenn der Betroffene aufgrund seiner Sehschwäche oder Blindheit auf beiden Augen eine Sehbeeinträchtigung mindestens der Stufe 1 aufweist. Die Stufe 1 nach der Einteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bedeutet: Die Sehleistung ist trotz bestmöglicher Brille oder Kontaktlinse kleiner/gleich 30 Prozent (Visus 0,3) auf dem besseren Auge.

Auch Versicherte mit erheblichen Gesichtsfeldausfällen zählen zu den schwer Sehbeeinträchtigten. In der Regel benötigen schwer sehbeeinträchtigte Personen bereits vergrößernde Sehhilfen wie Leselupen, Fernrohrbrillen oder elektronisch vergrößernde Sehhilfen.

Darüber hinaus übernimmt die Krankenkasse die Kosten für therapeutische Sehhilfen. Das sind Speziallinsen oder Brillengläser, die der Krankenbehandlung bei Augenverletzungen oder speziellen Augenerkrankungen dienen.

Zuzahlungen müssen bis maximal zwei Prozent des Bruttoeinkommens von den Versicherten getragen werden

Hilfsmittel, die zu den Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens zählen, werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Das sind Hilfsmittel, die üblicherweise von vielen Menschen im Haushalt benutzt werden, wie zum Beispiel elektrische Dosenöffner, Elektromesser, rutschfeste Unterlagen, ein Stiefelknecht und andere. Bagatell-Hilfsmittel wie Wärmflaschen, Eisbeutel, Gelbeutel sowie Brillenetuis werden ebenfalls nicht übernommen.

Zur Vermeidung von Härten können die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen von der Zuzahlungspflicht befreit werden. Gemäß gesetzlicher Vorschrift dürfen sämtliche Zuzahlungen eines Versicherten im Kalenderjahr – also die Zuzahlungen im Krankenhaus, die Zuzahlungen bei den Medikamenten, die Zuzahlungen bei den Hilfsmitteln und so weiter – zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens des Versicherten nicht überschreiten. Für chronisch Kranke, die sich wegen derselben Krankheit dauerhaft in ärztlicher Behandlung befinden und deshalb seit mindestens einem Jahr mindestens einmal im Quartal eine Arztpraxis aufsuchen müssen, beträgt die jährliche Belastungsgrenze ein Prozent des Bruttojahreseinkommens (Chroniker-Regelung).

Für jüngere Versicherte ist diese geringere Belastungsgrenze allerdings an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.

Wichtig: Man sollte alle Belege sammeln und bei der Krankenkasse einreichen, wenn die Zuzahlungen die Belastungsgrenze erreicht haben. Die Krankenkasse befreit den Betroffenen dann für den Rest des Jahres von den Zuzahlungen. Die Belege können auch erst am Ende des Jahres bei der Krankenkasse eingereicht werden. Diese prüft dann, ob und wenn ja, welcher Betrag erstattet wird. Hilfreich ist auch, das Beratungsangebot der Krankenkasse zu nutzen. Sie gibt Auskunft über die individuelle Belastungsgrenze.

Tipp
Ausgaben zum Beispiel für Brillen, Zahnersatz und andere Krankheitskosten können als außergewöhnliche Belastungen steuersenkend wirken.
Neben den Krankenkassen und Pflegekassen übernehmen im Einzelfall auch andere Leistungsträger (zum Beispiel Versorgungsämter, Sozialämter) die Kosten für Hilfsmittel. Auskünfte hierzu erteilen zum Beispiel die Pflegekassen, Versorgungsämter und Sozialämter.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.12.2012
  • Autor/in: Dr. med. Anja Vogt, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Verbraucherzentralen Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen
  • GKV-Spitzenverband. Festbeträge: Festbetragsgruppensysteme mit den Festbeträgen: GKV-Spitzenverband; 2012; URL:http://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/hilfsmittel/festbetraege_3/festbetraege.jsp.
  • GKV-Spitzenverband. Versicherten-Service: Eigenbeteiligung: GKV-Spitzenverband; 2013; URL:http://www.gkv-spitzenverband.de/service/versicherten_service/zuzahlungen_und_befreiungen/eigenbeteiligung/eigenbeteiligung.jsp.
  • GKV-Spitzenverband. Krankenversicherung Hilfsmittel: Hilfsmittelverzeichnis: GKV-Spitzenverband; 2012; URL:http://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/hilfsmittel/hilfsmittelverzeichnis/hilfsmittelverzeichnis.jsp.
  • AOK-Bundesverband: Chronische Erkrankung http://www.aok-bv.de/lexikon/c/index_00275.html