Pflegehilfsmittel: Manchmal muss der Patient zuzahlen

Pflegehilfsmittel, das heißt Verbrauchsprodukte und technische Hilfen, müssen nicht ärztlich verordnet werden. Die Kosten werden aber nur auf Antrag übernommen.

Die Pflegekasse (eine Pflegefachkraft oder der Medizinische Dienst der Krankenversicherung) prüft den Antrag unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und entscheidet dann anhand des Pflegehilfsmittelverzeichnisses. Darin werden die Pflegehilfsmittel aufgeführt, die verliehen oder vergütet werden. Manchmal muss der Patient eine Zuzahlung leisten.

Für Verbrauchsprodukte zahlen die Pflegekassen monatlich pauschal bis zu 40 Euro. Der Patient muss dann lediglich eine Zuzahlung von zehn Prozent pro Verbrauchseinheit übernehmen, maximal jedoch zehn Euro pro Monat.

Höchstens 25 Euro Zuzahlung bei technischen Hilfsmitteln

Für technische Pflegehilfsmittel haben Versicherte ab dem 18. Lebensjahr eine Zuzahlung in Höhe von zehn Prozent zu leisten. Die Zuzahlung ist auf höchstens 25 Euro begrenzt. Voraussetzung für die Bewilligung ist, dass durch das Hilfsmittel
  • im Einzelfall die häusliche Pflege überhaupt erst möglich wird,
  • die häusliche Pflege erheblich erleichtert wird,
  • eine Überforderung der Leistungskraft des Pflegebedürftigen und seiner Pflegeperson verhindert wird oder
  • eine möglichst selbstständige Lebensführung des Pflegebedürftigen wiederhergestellt wird.

Die Pflegekasse bezuschusst nötige Umbaumaßnahmen

Wenn Umbaumaßnahmen in der Wohnung des Pflegebedürftigen notwendig sind, gewährt die Pflegekasse einen Zuschuss, etwa bei Türverbreiterungen, dem Badewannenumbau, dem Einbau einer Dusche oder dem Bau von Rampen für Rollstuhlfahrer. Dieser Zuschuss beträgt höchstens 4.000 Euro je Maßnahme. Wenn mehrere Pflegebedürftige in einer Wohnung leben, erhöht sich der Zuschuss bis zur Obergrenze von 16.000 Euro.

Zudem gibt es auch noch andere Fördermöglichkeiten für Umbaumaßnahmen, etwa über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Informationen dazu bieten beispielsweise Wohnberatungsstellen, die es in vielen größeren Städten gibt.

Befreiung von Zuzahlungen

In Härtefällen kann der Versicherte ganz oder teilweise von der Zuzahlung befreit werden. Weitere Auskünfte dazu erteilt die Pflegekasse. Für geliehene Pflegehilfsmittel entfällt die Zuzahlung ganz. In der Regel werden größere technische Hilfsmittel leihweise überlassen.

Wer von einem ambulanten Pflegedienst betreut wird, kann sich von diesem beim Pflegehilfsmittelkauf helfen lassen. Oft haben die Pflegedienste zudem eigene Pflegehilfsmittel vorrätig, die gegen eine geringe Gebühr verliehen werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.03.2015
  • Autor/in: Dr. med. Anja Vogt, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Verbraucherzentralen Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen
  • Bundesministerium für Gesundheit. Ambulante Pflege: Zuschüsse zur Wohnungsanpassung; 2012; URL:http://www.bmg.bund.de/pflege/leistungen/ambulante-pflege/wohnungsanpassung.html.
  • GKV-Spitzenverband. Festbeträge: Festbetragsgruppensysteme mit den Festbeträgen: GKV-Spitzenverband; 2012; URL:http://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/hilfsmittel/festbetraege_3/festbetraege.jsp.
  • GKV-Spitzenverband. Versicherten-Service: Eigenbeteiligung: GKV-Spitzenverband; 2013; URL:http://www.gkv-spitzenverband.de/service/versicherten_service/zuzahlungen_und_befreiungen/eigenbeteiligung/eigenbeteiligung.jsp.
  • Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Änderungen 2015 – Gesundheit und Pflege