Viele pflegende Angehörige sind überfordert

Wissenschaftliche Studien zeigen deutlich, dass die häusliche Pflege nicht spurlos an den pflegenden Angehörigen vorbei geht. In einigen Fällen finden sie einen positiven Sinn in der Pflegetätigkeit und berichten von einer tieferen Bindung zwischen sich und dem Pflegebedürftigen.

Die meisten Angehörigen sind jedoch erheblich eingeschränkt und belastet. Die Gründe hierfür können sein:
  • Andere Familienmitglieder unterstützen sie zu wenig und erkennen ihre Leistung nicht ausreichend an.
  • Die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen überfordern sie.
  • Sie sind mit der Betreuungssituation komplett überfordert (beispielsweise bei einer Demenzerkrankung der zu pflegenden Person)
  • Sie müssen ihre eigenen Interessen stark einschränken oder gar aufgeben.
  • Sie haben Schuldgefühle gegenüber dem Pflegebedürftigen.
  • Sie leiden unter den finanziellen Belastungen.
  • Sie können ihrer geregelten Arbeit (Berufstätigkeit) nur noch verkürzt oder gar nicht mehr nachgehen.

Schulung, Ausbildung und Begleitung können helfen

Werden die Belastungen zu groß, kann sich das in körperlichen und seelischen Beschwerden äußern. Es können zum Beispiel Schlafstörungen, Nervosität, Kopfschmerzen, Ängste oder Depressionen auftreten.

Oft erkennen pflegende Angehörige jedoch erst sehr spät, dass sie ihre eigene Gesundheit gefährden und sich völlig überfordern. Vielen ist nicht klar, dass ihr hohes Engagement langfristig weder ihnen selbst noch dem erkrankten Angehörigen hilft. Eine Schulung, Ausbildung und Begleitung durch eine Akademie oder eine Beratungsstelle ist für Angehörige deshalb sehr wichtig.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.08.2014
  • Autor/in: Susanne Zöllner, Diplom-Sozialarbeiterin
  • Quellen: Abgeordnetenhaus von Berlin: Mitteilung über Erhalt der Koordierungsstellen für ambulante Rehabilitation, Drucksache 13/1442, 13. Wahlperiode
  • DÖHNER, H., KOFAHL, C., LÜDECKE, D. & MNICH, E. 2007. EUROFAMCARE ‐ Services for Supporting Family Carers of Older Dependent People in Europe: Characteristics, Coverage and Usage. The National Survey Report for Germany. Hamburg: University Medical Center Hamburg‐ Eppendorf. http://www.uke.de/extern/eurofamcare/documents/deliverables/nasure_de.pdf (12.06.2014)
  • SCHNEEKLOTH, U. & WAHL, H. (eds.) 2005. Möglichkeiten und Grenzen selbständiger Lebensführung in privaten Haushalten (MuG III). Repräsentativbefunde und Vertiefungsstudien zu häuslichen Pflegearrangements, Demenz und professionellen Versorgungsangeboten München. http://www.sozial-politik-seminar.de/textefrei/Schneekloth_Wahl_2005_Moeglichkeiten_Selbstaendigkeit_Alter_MUG3.pdf (12.06.2014)
  • SCHNEIDER, N., HÄUSER, J., RUPPENTHAL, S. & STENGEL, S. 2006. Familienpflege und Erwerbsfähigkeit‐ Eine explorative Studie zur betrieblichen Unterstützung von Beschäftigten mit pflegebedürftigen Familienangehörigen. Mainz: Johannes Gutenberg Universität, Institut für Soziologie. http://www.familienfreundlichkeit-rlp.soziologie.uni-mainz.de/Dokumente/Abschlussbericht_Familienpflege.pdf (12.06.2014)
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