Warum Autofahren im Alter Schwierigkeiten bereitet

Im Alter treten körperliche Einschränkungen auf, die das Autofahren beeinträchtigen können. So werden etwa die Muskeln schwächer und Gelenke steifer; die Beweglichkeit nimmt ab.

Veränderungen an der Halswirbelsäule führen dazu, dass ältere Autofahrer ihren Kopf weniger leicht zur Seite drehen und zurückneigen können. Das bedeutet: Der Blickwinkel reduziert sich. Wenn ein Autofahrer obendrein schlecht sieht, können Situationen, die eine schnelle Orientierung verlangen, große Probleme bereiten. Auch verlangsamte Reflexe und Reaktionen im Alter wirken sich auf das Autofahren aus, besonders auf Steuern, Gas geben und Bremsen.

Auch der Schulterblick fällt oft schwer. Schnelle Manöver werden immer schwieriger, was gerade im dichten Verkehr problematisch sein kann.

Vorsicht bei Augenkrankheiten

Es wird davon ausgegangen, dass 90 Prozent der zum Autofahren nötigen Sinnesinformationen über das Auge eingeholt werden. Vermindertes Sehen beeinflusst das Autofahren in hohem Maße: Der Fahrer übersieht Fußgänger sowie Verkehrsschilder und schätzt Abstände falsch ein. Manchmal lässt sich schlechtes Sehen durch eine Brille oder Kontaktlinsen ausgleichen; bei etlichen Ursachen und Erkrankungen ist das allerdings nicht möglich. Insbesondere wenn sich die Sehschwäche schleichend einstellt und daher nicht gleich bemerkt wird, kann sie in Kombination mit anderen Einschränkungen, beispielsweisebei der Motorik und der Aufmerksamkeit, das Unfallrisiko des Fahrers drastisch erhöhen.

Eine besondere Gefahr für die Verkehrssicherheit stellen Augenkrankheiten dar, die typischerweise im Alter auftreten: Linsentrübung (Grauer Star), erhöhter Augeninnendruck (Glaukom) und die Makuladegeneration, bei der die Sinneszellen der Netzhaut an der Stelle des schärfsten Sehens (Makula) zugrunde gehen. Der Graue Star verursacht eine diffuse Lichtbrechung mit Verschwommensehen und verschlechterter Hell-Dunkel-Anpassung, weshalb Patienten mit Grauem Star nachts nicht Auto fahren sollten. Viele Augenkrankheiten können das Gesichtsfeld seitlich einschränken. Dadurch reduziert sich der Blickwinkel, sodass Betroffene von der Seite kommende Fußgänger und Autos leicht übersehen können. Bei der Makuladegeneration büßt die Mitte des Gesichtsfelds an Sehschärfe ein.

Weitere altersbedingte Schwierigkeiten mit dem Sehen, die nicht mit einer Brille behoben werden können, sind:
  • Eine erhöhte Blendempfindlichkeit der Augen
  • Verlangsamung der Umstellungsfähigkeit des Auges von nah auf fern und umgekehrt, ebenso von hell auf dunkel und umgekehrt
  • Verschlechterung der Fähigkeit, das Blickfeld kontinuierlich abzutasten (Sakkadenbewegung). Dies führt zu Fehleinschätzungen
  • Einlagerungen in den Glaskörpern der Augen führen zu einer Veränderung der Einschätzung von Entfernungen.
Die Empfehlung lautet daher: regelmäßige Kontrolle beim Augenarztes (etwa einmal im Jahr).

Gutes Hören ist wichtig

Gutes Hören ist ebenfalls wichtig, um sicher Auto zu fahren. Gerade das Richtungshören spielt eine große Rolle, denn oftmals sind sich nähernde Autos und Motorräder nicht zu sehen, sie kündigen sich jedoch durch ihr Motorengeräusch an.

Im Alter aber lässt das Hören bei den meisten Frauen und Männern nach: Sie leiden etwa ab dem sechzigsten Lebensjahr mehr oder weniger stark unter Altersschwerhörigkeit und können höhere Frequenzen (über 2.000 Hertz) nicht mehr richtig hören. Das wirkt sich nicht nur auf das Richtungshören aus: Wer die hohen Frequenzen nur schlecht hört, hat oftmals auch Probleme mit dem Schalten. Denn die Geräusche des Motors geben Hinweise darauf, ob der richtige Gang eingelegt wurde. Das Motorengeräusch gibt einem Fahrer zudem Rückmeldung über das gefahrene Tempo.
Tipp – Selbsttest: Fitness am Steuer
Um einen ersten Eindruck über Ihre persönliche Fitness am Steuer zu bekommen, können Sie hier im Selbsttest Ihre Sehfähigkeit, Hörfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit testen. Zum Selbsttest.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.06.2014
  • Autor/in: Kitty Clausen, Ärztin, Charité, Universitätsmedizin - Berlin
  • Quellen: Fachzeitschrift Neurology 1993 (43): 2448-2456, "The risk of crashes"
  • Zeitschrift für Gerontospychologie und -psychiatrie 2000 (13): 131-170 und 2004 (17/2): 97-108
  • Mayo Foundation for Medical Education