Demenz: Besuch einer Spezialsprechstunde ratsam

Jede Demenz führt langfristig zum Verlust der Fahreignung. In der Regel schreitet eine Demenz aber langsam voran und verläuft sehr unterschiedlich. Für Ärzte und Angehörige ist es deshalb schwierig zu beurteilen, ab wann ein Demenzkranker nicht mehr sicher fährt. Bisher gibt es nur unzureichende Maßstäbe.

In Deutschland sind – im Gegensatz zu mehreren anderen europäischen Staaten – keine routinemäßigen Untersuchungen der Fahreignung im Alter üblich; stattdessen wird auf Eigenverantwortung gesetzt. Dies bedeutet aber nicht, dass jeder Autofahrer seine Fahreignung selbst beurteilen darf. Vielmehr muss er sich im Zweifelsfall von Fachleuten beraten lassen.

Kompetente Beratung in der Memory-Klinik

Spezielle Untersuchungen, die für die Beurteilung der Fahrtauglichkeit relevant sind, können in einer allgemeinmedizinischen Praxis nicht erfolgen. Es ist empfehlenswert, sich zu Spezialsprechstunden wie neurologischen oder psychiatrischen Fachambulanzen oder Gedächtnissprechstunden und Memory-Kliniken überweisen zu lassen. Die Ärzte und Psychologen dieser Spezialsprechstunden prüfen auch Belastbarkeit, Orientierung, Konzentration und Aufmerksamkeit sowie Reaktionsfähigkeit.

Nicht immer ist ein Fahrverbot nötig, manchmal reicht Anpassung

Die Untersuchung mündet in einer klaren Verhaltensempfehlung. Bei einer diagnostizierten Demenz wird die Empfehlung darauf abzielen, das Autofahren einzustellen. Abhängig vom individuellen Leistungs- und Persönlichkeitsprofil kann das ein sofortiges Beenden bedeuten, es ist aber auch möglich, das Autofahren über Anpassungsprozesse einzuschränken. So kann der Psychologe raten, nur noch im bekannten Umfeld zu fahren und Hauptverkehrszeiten sowie nächtliche Fahrten zu meiden. In diesem Fall sind allerdings sehr häufige Verlaufsuntersuchungen notwendig.

Im späten Stadium darf der Demente nicht mehr Auto fahren

Ein Arzt ist nicht verpflichtet, einen Patienten mit Demenz der Behörde zu melden. Er darf seine Schweigepflicht aber brechen, wenn er den begründeten Verdacht hat, dass der Patient andere Verkehrsteilnehmer gefährdet. Eine rechtsverbindliche Entscheidung über die Fahreignung darf nur die Fahrerlaubnisbehörde treffen. Fest steht allerdings: Autofahren ist im späten Stadium der Demenz verboten.

Es ist für Angehörige und Ärzte empfehlenswert, das Autofahren im frühen Stadium der Demenz zu thematisieren. In dieser Phase ist der Patient meistens noch bereit und in der Lage, sich mit Veränderungen und Verlusten auseinanderzusetzen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.06.2014
  • Autor/in: Kitty Clausen, Ärztin, Charité, Universitätsmedizin - Berlin
  • Quellen: Fachzeitschrift Neurology 1993 (43): 2448-2456, "The risk of crashes"
  • Zeitschrift für Gerontospychologie und -psychiatrie 2000 (13): 131-170 und 2004 (17/2): 97-108
  • Mayo Foundation for Medical Education