Zeit zu pflegen – mit der Pflegezeit

Sechs Monate volle Aufmerksamkeit für den Pflegebedürftigen

Gerade in den ersten Monaten wollen sich pflegende Angehörige oft voll und ganz auf die Pflege konzentrieren – um alles zu organisieren, sich in die neue Situation einzufinden und dem Pflegebedürftigen ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken. Das ist auch möglich, wenn der  Pflegende berufstätig ist – mit der sogenannten Pflegezeit.

Pflegezeit © Thinkstock
Seit 2008 erleichtert das Pflegezeitgesetz pflegenden Angehörigen, kurzfristig auf verschiedene Pflegesituationen zu reagieren – zum Beispiel bei einem akuten Pflegefall, nach einem Unfall oder in den letzten Wochen und Monaten des Lebens.

Das Pflegezeitgesetz enthält folgende Regelungen:

  • Kurzzeitige Arbeitsverhinderung: Wenn Angehörige plötzlich pflegebedürftig werden, haben Beschäftigte das Recht, der Arbeit bis zu zehn Arbeitstage fernzubleiben. So können sie den Pflegebedürftigen versorgen und die weitere Pflege regeln. In dieser Zeit ist der Arbeitnehmer weiterhin sozialversichert. Seit dem 1. Januar 2015 zahlt die Pflegeversicherung zudem etwa 90 Prozent des Nettoeinkommens – das sogenannte Pflegeunterstützungsgeld. Der Pflegende muss seinem Arbeitgeber unverzüglich mitteilen, dass er verhindert ist. Eine ärztliche Bescheinigung über die (voraussichtliche) Pflegebedürftigkeit des Angehörigen beziehungsweise die Erforderlichkeit der Arbeitsbefreiung dient als Nachweis.                                                   
  • Pflegezeit: Beschäftigte können sich bis zu sechs Monate von der Arbeit freistellen lassen oder in Teilzeit arbeiten, um einen Angehörigen zu Hause zu pflegen. In dieser Zeit sind sie weiterhin sozialversichert und haben Sonderkündigungsschutz. Spätestens zehn Tage vor Beginn der Pflegezeit muss der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber ankündigen, für welchen Zeitraum und in welchem Umfang er freigestellt werden möchte. Die Pflegebedürftigkeit – mindestens Pflegegrad 1 – muss er durch eine Bescheinigung nachweisen. Zu beachten ist, dass diese Regelung nur für Betriebe mit mehr als 15 Beschäftigten gilt.
In beiden Fällen besteht prinzipiell kein Anspruch auf Lohnfortzahlung (bei vollständiger Freistellung), es sei denn, dieser ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag, einem Tarifvertrag oder nach § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

Wenn sich Beschäftigte dafür entscheiden, ihren Angehörigen zu Hause zu pflegen, können sie auch direkt im Anschluss an die zehntägige kurzfristige Arbeitsverhinderung in Pflegezeit gehen. Außerdem haben sie für jeden nahen pflegebedürftigen Angehörigen erneut Anspruch auf Pflegezeit. Die Pflegezeit zu unterbrechen und auf mehrere Zeiträume aufzuteilen, ist nicht erlaubt.

Familienpflegezeit – wenn ein halbes Jahr nicht genügt

Die Pflege über einen längeren Zeitraum (mehr als sechs Monate) ermöglicht das Pflegezeitgesetz nicht. Hierfür ist die 2012 eingeführte Familienpflegezeit besser geeignet. Sie ermöglicht es Arbeitnehmern, ihre Arbeitszeit über maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Wochenarbeitsstunden zu reduzieren – ohne dabei auf zu viel Gehalt verzichten zu müssen. Die Familienpflegezeit kann auch im Anschluss an die Pflegezeit genommen werden – vorausgesetzt, der Arbeitgeber ist damit einverstanden, denn es besteht kein gesetzlicher Anspruch auf Familienpflegezeit. Die Gesamtdauer von Pflegezeit und Familienpflegezeit darf maximal 24 Monate betragen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.12.2016
  • Autor/in: Nina Prell, Medizinredakteurin, vitanet.de;
  • Quellen: Deutsche Seniorenliga e.V. (2011): Familienpflegezeit. Eine Information für Beschäftigte (http://www.familien-pflege-zeit.de/fileadmin/familienpflegezeit/redaktion/publikationen/405_Familienpflegezeit_Beschaeft.pdf)
  • Verbraucherzentrale Bayern: Hilfe für pflegende Angehörige (http://www.verbraucherzentrale-bayern.de/Hilfe-fuer-pflegende-Angehoerige)
  • Muschiol, Thomas (2013): Arbeitsrecht
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Auf einen Blick: Überblick über den Gesetzesentwurf zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf (http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung3/Pdf-Anlagen/2014-10-15-praesentation__familienpflegezeit,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf)
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Bessere Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf. Neue gesetzliche Regelungen seit dem 1.1.2015
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