So funktioniert die Familienpflegezeit

Pflegen und trotzdem arbeiten können

Viele Pflegende würden sich am liebsten komplett auf die Pflege ihres Angehörigen konzentrieren und nicht mehr zur Arbeit gehen – doch oft lässt das der Geldbeutel nicht zu. Seit einigen Jahren gibt es nun die Möglichkeit, die Arbeitszeit zumindest zu reduzieren und dennoch nicht zu viel vom Gehalt zu verlieren. Möglich macht dies die sogenannte Familienpflegezeit.

Vater mit Sohn © Thinkstock
Seit dem 1. Januar 2012 wird das Pflegezeitgesetz von 2008 durch das Familienpflegezeitgesetz ergänzt. Die sogenannte Familienpflegezeit ermöglicht es Beschäftigten, Angehörige über einen längeren Zeitraum – also länger als die im Pflegezeitgesetz vorgesehenen sechs Monate – pflegen zu können. Sie bietet pflegenden Angehörigen finanzielle Sicherheit, denn sie müssen wegen der Pflege nicht ihren Job aufgeben.

Seit 2015 gesetzlicher Anspruch auf Familienpflegezeit

Mit dem ersten Pflegestärkungsgesetz sind am 1. Januar 2015 Neuerungen in der Familienpflegezeit in Kraft getreten, die den pflegenden Angehörigen mehr finanziellen Spielraum lassen. Durch die Gesetzesänderungen haben Mitarbeiter in Unternehmen mit mehr als 25 Beschäftigten nun auch einen Rechtsanspruch auf die Familienpflegezeit.

Arbeitszeit reduzieren – ohne zu große Gehaltseinbußen

Die Familienpflegezeit sieht vor, dass Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit über eine maximale Dauer von zwei Jahren auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren können – ohne dabei allzu große Gehaltseinbußen zu haben. Denn ihr Gehalt reduziert sich lediglich um die Hälfte der Arbeitszeitreduktion. Arbeiten sie wieder in normalem Umfang, erhalten sie weiterhin den reduzierten Lohn, bis der Vorschuss zurückgezahlt ist.
Beispiel:
Verringert ein Angestellter seine Arbeitszeit um 50 Prozent, erhält er weiterhin 75 Prozent seines Bruttogehalts. Wenn er wieder voll arbeitet, bekommt er weiterhin die 75 Prozent des Gehalts – so lange, bis der Vorschuss wieder ausgeglichen ist.
Sowohl in der Pflegephase als auch in der Nachpflegephase besteht für den pflegenden Angehörigen ein besonderer Kündigungsschutz.

Mit dem Arbeitgeber sprechen

Wer die Familienpflegezeit wahrnehmen möchte, muss diese acht Wochen vor Beginn beantragen. Dabei muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber die gewünschte Dauer und die gewünschte Arbeitszeit mitteilen sowie die Pflegebedürftigkeit des Angehörigen (mindestens Pflegegrad 1) durch eine Bescheinigung der Pflegekasse oder des Medizinischen Dienstes der Pflegeversicherung (MDK) nachweisen.

Mehr finanzieller Rückhalt: Zinsloses Darlehen möglich

Seit dem 1. Januar 2015 haben Angehörige die Möglichkeit, im Rahmen der Familienpflegezeit beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) ein zinsloses Darlehen zu beantragen, um finanzielle Engpässe während der Pflegephase abzufangen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.12.2016
  • Autor/in: Nina Prell, Medizinredakteurin, vitanet.de;
  • Quellen: Bundesministerium des Inneren: Inkrafttreten des Gesetzes zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf (http://www.bmi.bund.de/RundschreibenDB/DE/RdSchr_20111216.pdf?__blob=publicationFile)
  • Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben: Die Familienpflegezeit – Informationen für Beschäftigte (http://www.familien-pflege-zeit.de/beschaeftigte.html)
  • Deutsche Seniorenliga e.V. (2011): Familienpflegezeit. Eine Information für Beschäftigte (http://www.familien-pflege-zeit.de/fileadmin/familienpflegezeit/redaktion/publikationen/405_Familienpflegezeit_Beschaeft.pdf)
  • Verbraucherzentrale Bayern: Hilfe für pflegende Angehörige (http://www.verbraucherzentrale-bayern.de/Hilfe-fuer-pflegende-Angehoerige)
  • Bundesministerium für Gesundheit. Familienpflegezeit (http://www.bmg.bund.de/pflege/hilfen-fuer-angehoerige/familienpflegezeit.html)
  • Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Änderungen 2015 – Gesundheit und Pflege
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