Pflege-Wohngemeinschaft

Eine Gemeinschaft, die vieles leichter macht

„Ich möchte auf keinen Fall ins Pflegeheim!“ Das hören viele Angehörige. Die meisten Pflegebedürftigen haben Angst, in eine anonyme Einrichtung abgeschoben zu werden. Manchmal ist die Pflege zu Hause jedoch einfach nicht mehr möglich. Doch inzwischen gibt es Alternativen zu Alten- und Pflegeheimen – unter anderem Pflege-Wohngemeinschaften.

Mann und Frau unterhalten sich © Thinkstock
In Pflege-WGs wohnen in der Regel zwischen sechs und zwölf, mindestens aber drei Menschen zusammen.

Spezialisierte Wohngemeinschaften – für jeden das Richtige

Pflege-Wohngemeinschaften gibt es mit verschiedenen Ausrichtungen: Viele der WGs haben sich auf Menschen mit bestimmten Erkrankungen oder Behinderungen spezialisiert – beispielsweise auf Demenzkranke. In anderen Wohngemeinschaften organisieren die Mitbewohner ihren Haushalt noch zum größten Teil alleine und erhalten nur stundenweise oder bei bestimmten Tätigkeiten Hilfe. Versorgt werden die WG-Bewohner in der Regel von einem ambulanten Pflegedienst und/oder festangestellten Betreuern. Außerdem übernehmen oft auch Angehörige der Bewohner, Ehrenamtliche oder Hauswirtschafterinnen Betreuungsaufgaben.

Förderung von Pflege-WGs

214 Euro monatlich zusätzlich von der Pflegekasse

Die Nachfrage nach Plätzen in Pflege-Wohngemeinschaften ist groß. Je nach Ausstattung liegen die Kosten meist höher als in Heimen. Neben der Miete haben die Bewohner beziehungsweise deren Angehörigen noch weitere Ausgaben für Essen, Haushaltsmittel und bestimmte Dienstleistungen. Der Gesetzgeber hat 2012 festgelegt, dass betreute Wohngruppen mit gemeinschaftlich organisierter Pflege von den Pflegekassen besonders gefördert werden. Pflegebedürftige ab Pflegegrad 1, die in einer WG wohnen, erhalten pro Monat eine Pauschale von 214,- Euro zusätzlich. Dafür müssen jedoch folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
  • Der Pflegebedürftige muss Pflegegeld und/oder Pflegesachleistungen erhalten.
  • Mindestens drei und höchstens zwölf Pflegebedürftige müssen gemeinsam in der WG leben.
  • Sie müssen von einem Pflegedienst ambulant versorgt werden.
  • Eine Pflegekraft muss in der WG organisatorisch, verwaltend oder pflegerisch tätig sein.
  • Die Wohngemeinschaft muss den Zweck haben, dass die Bewohner gemeinsam pflegerisch versorgt werden.
  • Die Pflegebedürftigen müssen über die gewünschten Leistungen und die Auswahl des Pflegedienstes frei bestimmen können.
Mitglieder einer Pflege-WG können ihre Ansprüche auf Pflegesachleistungen in einen gemeinsamen Pool geben. Sie profitieren durch die Zeitersparnis, die die Pflegekraft aufgrund des bestehenden gemeinsamen Haushalts hat.

Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes des Pflegebedürftigen nach werden auch an die Mitglieder einer Pflege-WG gezahlt. Bei einem Betrag von maximal 4.000 Euro pro Maßnahme pro Pflegebedürftigem stehen einer WG von vier Personen daher bis zu 16.000 Euro zur Verfügung. Damit lässt sich bei gemeinschaftlicher Planung doch schon Einiges erreichen Dies ist allerdings der Höchstbetrag pro WG, der auch bei mehr als vier Mitgliedern anteilig ausgezahlt wird.

Anschubfinanzierung bei Neugründung einer Pflege-WG

Darüber hinaus wird auch die Neugründung von Pflege-Wohngemeinschaften gefördert. Das nennt sich „Anschubfinanzierung zur Gründung von ambulant betreuten Wohngruppen“: Pflegebedürftige, die eine WG gründen, erhalten pro Person einmalig eine Förderung von 2.500 Euro für die altersgerechte und barrierefreie Gestaltung der gemeinsamen Wohnung. Die Höchstfördersumme für eine WG ist jedoch auf 10.000 Euro begrenzt und wird bei mehr als vier Personen anteilig gezahlt. Auch für diese Förderung, die der Höhe nach gedeckelt ist, müssen noch weitere Voraussetzungen erfüllt werden:
  • Die Bewohner müssen Anspruch auf den monatlichen Zuschlag von 214.- Euro haben.
  • Der Antrag auf Förderung muss innerhalb eines Jahres nach Vorliegen der Anspruchsvoraussetzungen gestellt werden.
Trotz der finanziellen Unterstützungen zeigt sich, dass bei der Umsetzung der prinzipiell guten Idee „Pflege-WG“ etliche bürokratische Hürden überwunden werden müssen. Private Initiatoren sind oftmals überfordert, weil ihnen das sozialrechtliche und finanztechnische Fachwissen fehlt. Nur ein kleiner Teil der insgesamt bereitgestellten 30 Millionen Euro für die Anschubfinanzierung wurden bisher abgerufen.

Die richtige WG – Tipps für die Auswahl

Wer in eine Pflege-Wohngemeinschaft ziehen möchte oder sogar selbst eine gründen möchte, sollte sich vorher gut informieren. Welche Trägerform besteht, wie ist das Wohnkonzept? Wichtig ist beispielsweise, dass der Pflegedienst, der die Bewohner betreut, nicht gleichzeitig auch der Vermieter ist. Die freie Wählbarkeit der Pflege- und Betreuungsleistungen für die Wohngemeinschaft darf nicht eingeschränkt sein. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass durchgehend – auch nachts – Personal anwesend ist, dass die Zusammensetzung der WG ausgewogen ist, dass die Kosten transparent gemacht werden und vieles mehr.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.03.2018
  • Autor/in: Christina Landauer, Medizinredakteurin, vitanet.de;
  • Quellen: Stiftung Warentest (2011): Pflege-Wohngemeinschaft: Willkommen in der WG: http://www.test.de/Pflege-Wohngemeinschaft-Willkommen-in-der-WG-4277397-0/
  • Bundesministerium für Gesundheit: Senioren-Wohngemeinschaft: http://www.bmg.bund.de/pflege/leistungen/ambulante-pflege/senioren-wohngemeinschaft.html
  • Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz: Sozialgesetzbuch (SGB) - Elftes Buch (XI) - Soziale Pflegeversicherung (Artikel 1 des Gesetzes vom 26. Mai 1994, BGBl. I S. 1014) § 38a Zusätzliche Leistungen für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__38a.html
  • Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz: Sozialgesetzbuch (SGB) - Elftes Buch (XI) - Soziale Pflegeversicherung (Artikel 1 des Gesetzes vom 26. Mai 1994, BGBl. I S. 1014) § 40 Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmenhttps://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html
  • Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz: Sozialgesetzbuch (SGB) - Elftes Buch (XI) - Soziale Pflegeversicherung (Artikel 1 des Gesetzes vom 26. Mai 1994, BGBl. I S. 1014) § 45e Anschubfinanzierung zur Gründung von ambulant betreuten Wohngruppen: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__45e.html
  • Bündnis 90 Die Grünen: „Pflege-Wohngemeinschaften: Anschubfinanzierung läuft ins Leere“ URL: https://www.gruene-bundestag.de/themen/pflege/anschubfinanzierung-laeuft-ins-leere-15-09-2014.html