Verhinderungspflege

Urlaub von der Pflege

Wer als Arbeitnehmer Erholung braucht oder verhindert ist, nimmt einfach Urlaub. Doch auch pflegende Angehörige sind einmal urlaubsreif, krank oder brauchen Zeit, um persönliche Angelegenheiten zu regeln. Dann kann bei der Pflegekasse ein Antrag auf Kostenübernahme für eine Urlaubsvertretung – auch Verhinderungspflege oder Ersatzpflege genannt – gestellt werden.

Verhinderungspflege © Thinkstock
Voraussetzung für die Verhinderungspflege: Der Pflegebedürftige wurde mindestens sechs Monate zu Hause von einer Pflegeperson gepflegt und ist in einen der Pflegegrade 2 bis 5 eingestuft. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 können den Entlastungsbetrag von monatlich 125 Euro für die Verhinderungspflege nutzen.

Sechs Wochen Erholung – sechs Wochen Energie tanken

Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für die Vertretung für einen Zeitraum von maximal sechs Wochen pro Jahr – die Tage der Verhinderungspflege können am Stück genommen oder gestückelt werden. Auch eine stundenweise Nutzung ist möglich. Die Finanzierung der Verhinderungspflege wird über das Pflegegeld oder die Pflegesachleistung geregelt.

Die Vertretung muss keine Fachkraft sein, sondern kann vom Pflegebedürftigen oder dem Angehörigen ausgesucht werden. Die Verhinderungspflege kann auch außer Haus – zum Beispiel in einer Tagespflege – stattfinden. Sachleistungen durch einen Pflegedienst zahlt die Pflegekasse in der Zeit der Verhinderungspflege weiter.

Wenn nahe Verwandte die Pflege übernehmen

Übernehmen nahe Verwandte oder Haushaltsmitglieder die Urlaubsvertretung, zahlt die Pflegekasse maximal den Betrag des Pflegegeldes. Entstehen jedoch nachweislich höhere Kosten –  zum Beispiel durch einen Verdienstausfall – werden auch ihnen bis zu 1.612 Euro pro Kalenderjahr erstattet.

Leistungen können aufgestockt werden

Übernimmt ein Pflegedienst die Pflege während der Verhinderung, ist es möglich die Leistungen der Verhinderungspflege mit nicht in Anspruch genommenen Mitteln der Kurzzeitpflege auf maximal 2.418 Euro aufzustocken.

Zugelassene ambulante Pflegedienste, die einen Vertrag mit der Pflegekasse haben, rechnen die Kosten direkt mit der Kasse ab. Anderenfalls müssen die Belege über die entstandenen Kosten bei der Pflegekasse eingereicht werden.
Info
Während der Verhinderungspflege wird für bis zu sechs Wochen das Pflegegeld zur Hälfte weitergezahlt – zusätzlich zu den Leistungen der Verhinderungspflege. Wird die Verhinderungspflege nur stundenwiese in Anspruch genommen, zahlt die Pflegekasse das Pflegegeld in voller Höhe weiter.

Alternative: vollstationäre Betreuung

Eine Alternative zur Verhinderungspflege ist die Kurzzeitpflege. Hier wird der Pflegebedürftige während der Abwesenheit des Pflegenden in einer Pflegeeinrichtung vollstationär betreut.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.12.2016
  • Autor/in: Nina Prell, Medizinredakteurin, vitanet.de;
  • Quellen: § 39 SGB XI Häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson (http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/39.html)
  • Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Änderungen 2015 – Gesundheit und Pflege
  • Krankenkasse Die Techniker: Ersatz- oder Verhinderungspflege (https://www.tk.de/tk/pflege/zu-hause-gepflegt/ersatzpflege/19492)
  • Bundesministerium für Gesundheit: Neue Leistungen für pflegende Angehörige (http://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/pflegestaerkungsgesetze/leistungen-fuer-pflegende-angehoerige.html)