Soziale Absicherung von pflegenden Angehörigen

Damit die Pflegezeit nicht die Rente kostet

Einen Angehörigen zu pflegen bedeutet oft: beruflich kürzertreten oder die Arbeitsstelle komplett aufgeben. Damit Pflegende für diese Zeit und die Zukunft trotzdem abgesichert sind, werden einige Leistungen für sie übernommen.

Soziale Absicherung von pflegenden Angehörigen © Thinkstock
Die Pflegekasse zahlt für sie unter bestimmten Umständen in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Dazu kommt: Wer pflegt, ist weiterhin unfallversichert. Auch die Arbeitslosenversicherung wird unter bestimmten Voraussetzungen fortgesetzt.

Rentenversicherung – wann die Beiträge übernommen werden

Damit pflegende Angehörige später keine Einbußen bei der Rente haben, zahlt die Pflegekasse des Pflegebedürftigen für sie in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Dafür müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein:
  • Der pflegende Angehörige darf die Pflege nicht gewerbsmäßig ausüben. Das bedeutet: Die Pflege darf nicht zu einer beruflichen Tätigkeit gehören und er darf dafür kein Gehalt beziehen. Das Pflegegeld der Pflegeversicherung oder eine angemessene finanzielle Anerkennung des Pflegebedürftigen werden hier nicht berücksichtigt.
  • Die Pflege muss mindestens zehn Stunden pro Woche umfassen – diese Stunden sind auf mindestens zwei Tage in der Woche verteilt und finden in der häuslichen Umgebung statt. Pflegt eine Person mehrere Pflegebedürftige können die Zeiten zusammengezählt werden.
  • Der Pflegende darf neben der Pflege maximal 30 Stunden pro Woche erwerbstätig oder selbstständig beruflich tätig sein.
  • Der Pflegebedürftige muss Anspruch auf Leistungen aus einer Pflegeversicherung haben – der sozialen oder einer privaten.
  • Die Pflegeperson darf nicht bereits eine Pension oder Altersrente beziehen.
  • Der Wohnsitz oder der gewöhnliche Aufenthaltsort der Pflegeperson muss in Deutschland, im Europäischen Wirtschaftsraum oder der Schweiz liegen.
Ein Antrag ist nicht nötig. Der pflegende Angehörige muss nur einen Fragebogen ausfüllen. Am einfachsten ist es, sich bei der Pflegeversicherung oder dem Rentenversicherungsträger genauer darüber zu informieren. Wie hoch die eingezahlten Beiträge sind, variiert je nach Zeitaufwand für die Pflege und dem Pflegegrad des Pflegebedürftigen. Es muss mindestens ein Pflegegrad 2 bestehen, damit eine Rentenbeitragszahlung erfolgt.

Unfallversicherung – automatisch und kostenlos

Wer einen Angehörigen ehrenamtlich pflegt, ist automatisch in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Dieser Versicherungsschutz ist für den Pflegenden kostenlos. Er gilt für Unfälle während der Pflege, auf dem Weg dorthin und wieder nach Hause sowie bei allen Tätigkeiten, die mit der Pflege in Zusammenhang stehen.

Arbeitslosenversicherung – welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen

Pflegende Angehörige, die ihren Beruf wegen der Pflege aufgeben, werden ab 2017 in  der Arbeitslosenversicherung weiter versichert. Auch hier müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden:
  • Die Pflegeperson muss den Pflegebedürftigen mindestens zehn Stunden pro Woche betreuen.
  • Der Pflegebedürftige muss Leistungen der sozialen oder einer privaten Pflegeversicherung beziehen.
  • Der Pflegende muss direkt vor Aufnahme der Pflegetätigkeit versicherungspflichtig in der Arbeitslosenversicherung gewesen sein.
  • Die Voraussetzung ist auch erfüllt, wenn die Pflegeperson bis unmittelbar vor Aufnahme der Pflegetätigkeit Arbeitslosengeld bezogen hat.
  • Diese Regelung greift nur, sofern nicht ohnehin eine Absicherung in der Arbeitslosenversicherung besteht – zum Beispiel durch Teilzeitarbeit.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.11.2016
  • Autor/in: Christina Landauer, Medizinredakteurin, vitanet.de;
  • Quellen: Deutsche Rentenversicherung (2012): Rente für Pflegepersonen: Ihr Einsatz lohnt sich: http://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/232684/publicationFile/57387/rente_fuer_pflegepersonen.pdf
  • Bundesministerium für Gesundheit: Pflegende Angehörige: http://www.bmg.bund.de/pflege/hilfen-fuer-angehoerige/pflegende-angehoerige.html
  • Bundesagentur für Arbeit: Hinweise zum Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag in der Arbeitslosenversicherung: http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/Vordrucke/A07-Geldleistung/Publikation/V-Alg-Weiterversicherung-Hinweisblatt.pdf