Steuererleichterungen für pflegebedürftige und behinderte Menschen

Wann Sie was in der Steuererklärung geltend machen können

Die Steuererklärung kann eine komplizierte Angelegenheit sein: Steuerliche Freigrenzen, Freibeträge, Pauschbeträge – da fällt es schwer, den Durchblick zu behalten. Viele wissen deshalb gar nicht, welche Steuererleichterungen ihnen zustehen. Damit Ihnen das nicht passiert, erfahren Sie hier, was Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung in der Steuererklärung geltend machen können.

Mann sitzt am Tisch © Thinkstock
Die durch eine Behinderung oder Pflegebedürftigkeit entstehenden Kosten, die nicht bereits von der Pflegekasse oder anderen Trägern übernommen werden, können als sogenannte außergewöhnliche Belastungen von der Steuer abgesetzt werden.

Diese Steuererleichterungen stehen Pflegebedürftigen zu

Pflegebedürftige Menschen haben die Möglichkeit, die mit der Pflege in Zusammenhang stehenden Kosten steuerlich geltend zu machen. Sie können unter anderem Kosten für:
  • die Unterbringung in einem Pflegeheim,
  • einen ambulanten Pflegedienst und
  • Zuzahlungen für Medikamente und Hilfsmittel
als sogenannte außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung gelten machen. Ob der Pflegebedürftige selbst oder der Pflegende diese Ausgaben geltend machen kann, hängt davon ab, wer die Kosten tatsächlich getragen hat.

Voraussetzung für eine steuerliche Absetzbarkeit dieser Ausgaben ist, dass sie nicht bereits von der Pflege- oder Krankenkasse übernommen werden. Das Finanzamt berücksichtigt die Ausgaben nicht vollständig, sondern zieht einen Eigenanteil ab, der vom Pflegebedürftigen getragen werden muss. Die Höhe dieses Eigenanteils richtet sich nach dem Jahreseinkommen, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder. Der Eigenanteil wiederum kann als Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen geltend gemacht werden.

Pflegebedürftige mit einer nachgewiesenen Behinderung haben auch die Möglichkeit, einen sogenannten Behinderten-Pauschbetrag steuerlich geltend zu machen.

Behinderten-Pauschbetrag – bei wem ist er wie hoch?

Um regelmäßig anfallende Kosten auszugleichen, die durch eine Behinderung entstehen – beispielsweise für Pflege, Medikamente oder einen erhöhten Wäschebedarf – können behinderte Menschen einen Pauschalbetrag von der Steuer absetzen. Voraussetzung dafür ist:
  • ein Grad der Behinderung von mindestens 50
  • oder ein Grad der Behinderung von mindestens 25 und zusätzlich werden aufgrund der Behinderung Renten bezogen
  • oder die Behinderung beruht auf einer typischen Berufskrankheit
  • oder die Behinderung hat zu einem dauerhaften Verlust der körperlichen Beweglichkeit geführt.

Die Höhe des Behinderten-Pauschbetrags hängt vom Grad der Behinderung ab:

Grad der Behinderung Höhe des Behinderten-Pauschbetrags
25 und 30 310 Euro
35 und 40 430 Euro
45 und 50 570 Euro
55 und 60 720 Euro
65 und 70 890 Euro
75 und 80 1.060 Euro
85 und 90 1.230 Euro
95 und 100 1.420 Euro
Ein Behinderten-Pauschbetrag von bis zu 3.700 Euro jährlich steht Menschen zu, die entweder blind oder behindert und hilflos sind. Im Schwerbehindertenausweis ist dies durch das Merkmal „Bl“ (blind) beziehungsweise „H“(hilflos) gekennzeichnet.

Zusätzlich entstehende einmalige oder besondere Ausgaben – beispielsweise für eine Kur – können zusätzlich zum Behinderten-Pauschbetrag als außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden.

Einzelnachweis: Wann sich der genaue Nachweis der Kosten lohnt

Anstelle des Behinderten-Pauschbetrags können behinderte Menschen Kosten, die mit ihrer Behinderung in Zusammenhang stehen, auch einzeln in der Steuererklärung nachweisen. Das ist sinnvoll, wenn die tatsächlichen Kosten den Behinderten-Pauschbetrag übersteigen, der dem Betroffenen zustehen würde.

Abgesetzt werden können beispielsweise Ausgaben für:
  • die Unterbringung im Pflegeheim,
  • einen ambulanten Pflegedienst,
  • Physiotherapie,
  • Hilfsmittel,
  • Eigenanteile für Medikamente,
  • Eigenanteile von Krankenhauskosten,
  • Eigenanteile für Kosten in Rehabilitationseinrichtungen und

Die Ausgaben müssen durch entsprechende Belege nachgewiesen werden. Werden die Kosten als Einzelnachweis geltend gemacht, kann der Behinderten-Pauschbetrag nicht zusätzlich in Anspruch genommen werden.

Das Finanzamt berücksichtigt die Ausgaben nicht vollständig, sondern zieht einen Eigenanteil ab, der vom Behinderten selbst getragen werden muss. Die Höhe dieses Eigenanteils richtet sich nach dem Jahreseinkommen, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder. Der Eigenanteil wiederum kann als Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen geltend gemacht werden.

Welche Aufwendungen für Pflegebedürftige und Behinderte noch absetzbar sind

Darüber hinaus können sowohl Pflegebedürftige wie auch behinderte Menschen Ausgaben für eine Haushaltshilfe als sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen von der Steuer absetzen. Dabei ist es unerheblich, ob der Pflegebedürftige in einem Pflegeheim oder in der häuslichen Umgebung versorgt wird.
Bitte beachten Sie
Für alle Kosten, die in der Steuererklärung geltend gemacht werden, gilt: Sie dürfen nicht bereits durch die Pflegeversicherung oder andere Träger gedeckt sein.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 10.11.2016
  • Autor/in: Christina Landauer, Medizinredakteurin, vitanet.de;
  • Quellen: Evangelische Gesellschaft Stuttgart e.V. Alzheimer Beratungsstelle (2010): Schwerbehindertenausweis, Steuererleichterungen und Sozialhilfeleistungen: http://www.alzheimer-bw.de/fileadmin/AGBW_Medien/Dokumente/Guenther_Schwarz/Finanzielle_Hilfen_Stand_03_2010.pdf